Lichtenrader BC vs. BFC Dynamo 1:1 (1:1)
2. Spieltag
15. August 2009
Ein herzliches Willkommen aus der Trutzburg des guten Geschmacks, herzlich willkommen beim auswärts gesausten BFC Dynamo!
Nun stand es also an, das erste Auswärtsspiel unseres BFC in der Saison 2009/2010. Für uns Fans war es nicht nur das erste Auswärtsspiel in jener Saison, nein! Es war das erste Auswärtsspiel im gesamten Jahr. Allumfassend machte sich in den letzten Tagen schon eine ungeheure Vorfreude breit, endlich wieder auswärts!
Für mich hatte heute Morgenstund Gold im Mund, soll heißen, der frühe Vogel fing den Wurm. Um 6 raus aus den Federn, Sohn geweckt und ab mit ihm zu Oma und Opa für einen 8-tägigen Kurzurlaub an die Ostsee. Am Hauptbahnhof stand eine Frau, mit auftoupierter 80-er Cindy-Lauper-Gedenkfrisur, und brüllte scheinbar grundlos im Abstand von 30 Sekunden die Glasfassade an. Mein Sohn wirkte geschockt. Ich sah es dagegen als Warm-up für meinen Sonntag. Wer weiß, wie viele Leute ich heute noch erleben werde, angesichts der vorhergesagten Temperaturen, die irgendwas, irgendwie, irgendwo anbrüllen. Ich bin ja ein BFC-ist und kenne unsere Pappenheimer. Endlich wieder auswärts!
Anschließend zogen sich die Stunden von um 8 bis um 12 ewig dahin. Was tun, bis es los geht? Ich guckte Leichtathletik WM im TV. Als ich los ging merkte ich, wie schön kühl unsere Wohnung ist. Mir schlug eine Wand siedend heißer Berliner Luft entgegen. Also rein in die S-Bahn, dort wurde ich von den gesammelten zarten Gerüchen der letzten Nacht begrüßt. Knorke, das ganze bei 32 Grad auf´m Bahnsteig und 50 im Waggon. Ostkreuz durfte, musste, wollte ich raus. Das DJ-Häuschen war als Treffpunkt auserkoren. Dies dachten sich auch 2 Beamte der Polente mit Knopf im Ohr. Sie stierten auf den stadteinwärts führenden Bahnsteig der S-Bahn und sprachen: „Keine Bewegungen.“ Um im selben Augenblick zu realisieren, daß ein Zug dort unten einfuhr und irgendwelche Männer ausstiegen. So sprachen sie erneut: „Fünfundzwanzig. Kommen. A und B.“ Ah ja. Unter den ominösen, fraglichen 25 waren auch welche, die ich kannte. Treffpunkt gefunden, super. Unser Zug kam und wir fuhren eher ruhig und gesittet zum Südkreuz. Den 10-minütigen Fußweg zum Stadion traten wir motiviert an. Die Motivation verflog, eben 32 Grad. Jeder Schritt war schwer, die Hitze drückend. Aber egal, alles für den BFC, endlich wieder auswärts!
Im Stadion erstmal was trinken. Das Wasser war kalt und wohlschmeckend. Am meisten freute ich mich darüber, daß der uns BFC-isten zugewiesene Block im Schatten lag. Gute Idee.
Das Spiel begann. In den ersten Minuten dachte ich, es ist noch Training. Dies lag am Spielgerät, welches die Gastgeber unter die 22 Sportsmänner auf dem Platz warf. Ein grauer, fast schon graubrauner Ball. Der sah durch und durch völlig verranzt und oll aus. Es war wirklich schwierig, dem Spiel unbeschwert folgen zu können, der Ball war schwer zu sehen. Aber wir haben uns dran gewöhnt. Aber der Ball sollte noch für Stimmung sorgen.
Unsere Mannschaft begann furios. Sofort nach Anpfiff übernahmen sie das Heft des Handelns. Der Gegner wurde ein ums andere Mal in der eigenen Hälfte eingeschnürt. Nico Patschinski testete nach etwa 7 Minuten die Standfestigkeit der Abwehr und spielte mal eben locker 4 Gegner aus, eingebracht hat es aber nichts. Aber schön sah es aus. Wieder und wieder rannte unser BFC an, vom Lichtenrader BC kam so gut wie nichts. Was mir fehlte, war der oft zitierte finale Pass. Dominant, spielbestimmend aber eben nicht zwingend, so wirkten die ersten Minuten. In der 13. Minute mal wieder ein einziges Tohuwabohu im Strafraum der Lichtenrader. Irgendwie bekam Firat Karaduman den Fuß dazwischen und klinkte den dunklen Ball in die Maschen. Unser Block tobte. Alles richtete sich auf ein feines, souveränes Spiel unserer Mannschaft ein. Aber irgendwie ließen sie sich den Schneid abkaufen. Einmal durch eine überraschend positive Aggressivität der Platzherren und zum anderen – ich weiß es nicht. Es kam, wie es kommen musste. Den einzigen ordentlichen Spielzug der Lichtenrader nutzten diese in der 23. Minute zum Ausgleich. Motsche wirkte aus meiner Sichtposition in dieser Situation total desorientiert. Das Tor ging aber nicht auf seine Kappe, dies nur zur besseren Einordnung. Auch sonst sorgte unser Torwart mit weiteren guten Paraden dafür, daß unser Gegner nicht noch ein Tor schoß.
Kurz nach dem Ausgleich erhielt der bereits erwähnte Ball seinen speziellen Bedeutungsplatz in diesem Spiel und somit in unserer Erinnerung. Unter großem Gejohle flog er vom platz. Ein neuer Ball kam nicht, also entschloss sich unsere Wechselbank dazu, einen schönen, schwarz-weißen Traditionsgedenkball ins Spiel zu bringen. Die Offiziellen des LBC verhielten sich nun wie kleine, eingeschnappte Kinder. Immer wieder monierten sie beim Schiedsrichter den neuen Ball, bildeten Rudel und führten sich auf, wie ein Haufen trotzig-hysterischer Waschweiber. Und es sollte Wirkung zeigen. Das Schirigespann entschied, daß der alte, ranzige Ball das Nonplusultra für den Nachmittag zu sein hat. Nun ja. Auf jeden Fall kochte hier schon Volkes Zorn. Apropos Zorn. Es ist nachvollziehbar, mal unzufrieden zu sein. Aber vermehrt habe ich bei unseren Fans das Gefühl, die Nachmittage beim BFC sind nur noch da, um zum Meckern zu gehn. Oder haben wir gar alle ein Mecker-Gen? Was da wieder, anstatt positiv die Mannschaft nach vorne zu treiben, rumgemotzt wurde, nervte ungemein. Der Schiri, der Gegner, das Wetter, die Polente oder das Catering – alle haben Schimpfe verdient, aber UNSERE Mannschaft? Nee! Und unangenehm ist das auch.
Bis zur Halbzeit passierte nüscht mehr, außer daß Tobias „Kurbel“ Kurbjuweit in der 40. Minute Gelb-Rot sah. Zurecht, so meine Einschätzung. Er hatte keine Chance an den Ball des angreifenden LBC-Spielers zu kommen und senste ihn von hinten weg. In der 30 Minute sah Kurbel übrigens seine erste Gelbe. Für mich tat es doppelt weh. Einmal, weil Kurbel bis zur 40. Minute zu den absoluten Aktivposten der Mannschaft zählte und zum zweiten, weil ich ihn so gut leiden kann und er sich wohl hat einfach gehen lassen. Schade.
In der zweiten Hälfte übernahm unser BFC sofort wieder das Zepter des Handelns. Allerdings nun nicht so zwingend wie im ersten Durchgang. Dies lag zum Großteil auch an dem aufgebauten Abwehrbollwerk der Gastgeber. Und ich versteige mich zu der Theorie, daß unser Spiel auch zunehmend zu leicht auszurechnen war. Mich beschlich mehr und mehr das Gefühl, daß fast alle Angriffsbemühungen über Nico „Patsche“ Patschinski liefen. Wie sagte ein Trainer eines marginalen Vorstadtvereins: “Wir sind doch nicht der 1.FC Patschinski.“ Ging es mal nicht über Patsche, lief sich Christian Preiss an der Abwehr fest oder es landeten irgendwelche halbherzigen Flanken irgendwo.
Mit zunehmender Spieldauer fing auch der Unparteiische an, sich aktiv am Spiel zu beteiligen. Ich lasse es jetzt einfach mal, diverse abstruse Entscheidungen zu interpretieren. Denn das macht keinen Spaß mehr immer die selbe Leier zu spielen und der geneigte Leser weiß genau, was ich meine. Interessant fand ich, wie unser Trainer merkte, wie in Sachen Schiedsrichter mit dem BFC verfahren wird, zumindest interpretiere ich seine diversen Wuttänzchen an der Seitenlinie so. Irgendwann flog auch mal wieder der olle Ball in unseren Block. So hatte sein letztes Stündlein geschlagen. Er wurde herumgeworfen, landete schließlich im Papierkorb und urplötzlich war er platt. Wir sangen: “Der Ball ist tot, der Ball ist tot. Er kann nicht mehr roll´n, rolle hier, rolle da...“ Der Ersatzball war übrigens minimal heller und sauberer. Und die Offiziellen des LBC waren krebsrot vor Wut. Kinderkram und Kinkerlitzchen, Kleingeister aus der Frontstadt.
Zurück zum Spiel. So zirka eine halbe Stunde vor Ultimo verließen den LBC scheinbar die Kräfte. Dies äußerte sich in sich mehrenden Chancen für unseren BFC. Und es äußerte sich auch in der inzwischen sich in negative Härte wandelnden Spielweise der Hausherren. Angriff auf Angriff wurde vom BFC vorgetragen. Den Lichtenradern blieben nur Konter, diese spielten sie aber so beängstigend schnell und koordiniert, daß wir uns bei Motsche und der Abschluss-Schwäche des LBC bedanken müssen. Da hatten wir mehrfach Glück, so meine hitzegeschwängerte Erinnerung.
In der 67. Minute schlitzohrte sich Patsche in den Strafraum und auf dessen Boden, es gab ´nen Elfer. Guido Spork sollte schießen. Ich hatte dabei ein sehr schlechtes Gefühl, das sagte ich auch. Nachdem Spork den Elfer an die Latte gehämmert hatte, wurde ich beschuldigt. Irgendwer muss ja Schuld sein. Aus Bauchgefühl mach Schuldgefühl, oder so.
Bis zum Ende der Begegnung versuchte unser BFC noch ´ne Menge, um mit 3 Punkten nach Hause zu fahren. Aber es gelang nichts mehr. Wir sahen noch etliche hochkarätige Chancen, allerdings lief der Torwart des Gegners zu Hochform auf, es war zum Verzweifeln. So endete die ganze Chose mit 1:1.
Was bleibt nun? Für mich die Gewissheit, daß unsere Mannschaft definitiv besseren Fußball spielt, als letzte Saison. Und die Einschätzung, daß unsere Liga ziemlich ausgeglichen erscheint. Weiterhin wirkt es so, daß unsere Elf in sich noch kein richtiges Gefüge gefunden zu haben scheint. Laufwege der Mitspieler sind oft unbekannt, es wird relativ wenig geredet auf dem Platz und das „Einer für Alle“ in jeder Situation fehlt mir etwas. Aber gut Ding will Weile haben und bei den Charakterköpfen in unserem Team...
...können wir getrost auf Christian Backs vertrauen.
Unabhängig vom Ergebnis, unabhängig von allen seltsamen Begleiterscheinungen, unabhängig von nur 2 Punkten aus 2 Spielen, nur eins zählt für mich wirklich:
Endlich wieder auswärts!
Janusz
Statistik
Lichtenrader BC:
Rahden, Weller, Schwanitz, Gehrmann, Garz, Spitzer (65. Turan), Diederitz, Robrahn, Becker (87. Heimann), Wegner, Dort (78. Woithe).
Trainer: Detlef Garzmaschewski
BFC Dynamo:
Thomaschewski, Kurbjuweit, Rudwaleit, Petrowsky, Oumari, Spork, Erdil (62. Kukulies), Gerhard (75. Krause), Preiß, Karaduman (46. Stosno), Patschinski.
Trainer: Christian Backs
Tore:
0:1 Karaduman (13.) aus dem Gewühl heraus, 1:1 Becker (23.) nach einer Flanke kommt der Schütze frei zum Kopfball.
Schiedsrichter:
Jens Klemm (Gröditz)
Zuschauer:
639 zahlende (ca. 400 BFC Fans darunter)
Gelbe Karte:
Robrahn (2.Gelbe der Saison) /
Gelb-Rote Karte:
Kurbjuweit (40. erste Gelbe bekam er in der 30.)
Besondere Vorkommnisse:
Spork verschiesst einen Foulelfmeter (68. an die Latte)