Reinickendorfer Füchse vs. BFC Dynamo 0:3 (0:0)
6. Spieltag
20. September 2009
Voller Vorfreude auf Fußball unseres geliebten, in den letzten Spielen überzeugenden BFC, und von der Spätsommersonne geküßt machte ich mich per Velo auf. Aus meinem kleingärtnerischen Idyll in Karow in die Satellitenstadt Reinickendorf. Es war herrlich.
Am Freiheitsweg vor dem Stadioneingang bemerkte ich, daß ich mein Fahrradschloß vergessen hatte, in Berlin eine gefährliche Voraussetzung, wenn man sein Fahrrad noch eine Weile behalten will. Ich befragte einen Sicherheitsmenschen des gastgebenden Vereines, ob es eine Möglichkeit gebe, das Radel irgendwo sicher und unangeschlossen abstellen zu können. Der Mensch machte kein großes Gewese, sofort lud er mein Rad ein, auf dem Stadiongelände auf mich zu warten. Ich war angenehm überrascht. Echt gastfreundlich und unkompliziert das Ganze. Einzig ein Ordner unseres BFC machte ein wenig Probleme, da er unser Fanzine "Zugriff!" noch (?) nicht kannte und aufgrund des Titelblattes wohl einige politisch motivierte Beklemmungen bekam. Aber auch hier kam mir der Reinickendorfer Sicherheitsmensch zu Hilfe. Dieser klärte unseren Ordner über die Ironie auf. Er verstand und ich durfte rein. Echt gastfreundlich und unkompliziert das Ganze.
Die erste Amtshandlung war, sich einen der im Vorfeld angepriesenen "Burger a la Fuchs" zu beschaffen und zu verzehren. Dieser war überaus schmackhaft und die gepflegt, gewöhnte Stadionwurst um Längen schlagend.
Sich den Wanst vollschlagend erwartete ich das Spiel. Zum Anpfiff tummelten sich im Fuchsbau knappe 800 Zuschauer, davon bestimmt 650 BFCer. Und allenthalben war die Vorfreude zu spüren. Nur wurde diese in der ersten Hälfte auf die Probe gestellt. Zwar spielte unser BFC dominant und versuchte die Füchse einzuschnüren. Normalerweise schnüren ja nur Füchse, normalerweise. Aber heute blieb den schlauen Reinekes lediglich das Bewachen und Verteidigen ihres Baues. Und das machten sie echt anständig. So richtig ließen sie den BFC nicht zur Entfaltung kommen. Wir sahen diverse, im Ansatz sehr gute Angriffszüge unseres BFC, welche aber in der dicht gestaffelten Abwehr der Hausherren stecken blieben. Wenn dann aber doch ein Ball unsere weinroten Stürmer erreichte, wurde er leichtfertig vergeben. So in der 20. Minute, als Nico Patschinski völlig allein vor dem Füchse-Torwart Dame auftauchte und ihm den Ball zukullerte. Da waren wohl beide überrascht, allerdings jeweils aus völlig konträren Beweggründen. Es folgten noch einige Ecken und ein wundervoller Freistoß von Hassan Oumari. Leider rutschten 2 BFCisten an der herrlich getretenen Flanke vorbei. Haarscharf. Einige Minuten vor dem Pausentee wurde unser BFC zunehmend dominanter. Ja, noch beherrschender als zuvor. Bei einigen Spielzügen schnalzten wir mit unseren Zungen. Jetzt eröffneten sich auch minimale (Konter-) Räume für unseren Gegner, aber außer 2 Halbchancen war nüscht beim BFC zu holen. Einmal weil Petrowsky einen gewohnt starken Part in der Abwehr spielte und zum zweiten weil ihm kaum einer in unserer Mannschaft in Sachen Einsatz nachstand. Trotz des Halbzeitstandes von 0:0 war ich nicht unzufrieden.
In der Pause fachsimpelten wir. Über das Wetter. Über Fotografen und -finnen. Und über die leckeren Burger. Somit auch über das exorbitant gute Versorgungsangebot der Reinickendorfer Füchse. Echt gastfreundlich und unkompliziert das Ganze.
In der zweiten Halbzeit kam dann auch Firat Karaduman ins Spiel, er ersetzte Max Gerhard. Letzt genannter rieb sich im ersten Durchgang für seine Mannschaft auf, erst genannter fehlte uns irgendwie. Zu recht, wie die folgenden Minuten zeigen sollten. In der 48.Minute nahm Karaduman einfach mal den Ball volley und versenkte ihn unterm Gebälk. Wunderschönes Tor. Nur 5 Minuten später kam unser Torschütze wieder vor den Kasten und zog von halbrechts einfach ab. Innenpfosten-rein-2:0! Ein erneuter Augenschmaus.
In der Folgezeit zog sich der BFC etwas zurück und überließ den Füchsen einige Spielanteile. Durchaus nachvollziehbar bei dem Spielstand und der dauerhaften Dominanz unserer Mannschaft. Unser Gegner nahm diese Möglichkeit aber nicht optimal an. Mehr und mehr häuften sich kleine versteckte Fouls und die Unzufriedenheit der Reinickendorfer war förmlich zu spüren. Alles gipfelte in der 68. Minute. Firat Karaduman wurde vom bereits vorverwarnten Reinickendorfer Kapitän im Strafraum gefällt. Klare Sache- Feldverweis für den Übeltäter und Elfer für uns. Nico Patschinski trat an. Er nahm lässig Anlauf. Er schoß lässig in die linke Ecke. Der Ball kullerte lässig Richtung linke Ecke. Torwart Dame legte sich lässig in die linke Ecke. Torwart Dame nahm lässig den Ball auf. Hätte er vielleicht nicht machen müssen, der Schuß wäre bestimmt ganz lässig vor der Torlinie verhungert. Übermut tut selten gut.
Anschließend verflachte das Spiel etwas. Die Füchse konnten nicht mehr investieren, unser BFC brauchte dies nicht. Wir Fans waren ausgelassen. Vikings entdeckte unter den Reinickendorfer Spielern den "Kapitän für Arme". Warum dies? Der Spieler mit der Nummer 18, vom körperlichen Status eher anorektisch, hatte sich an beiden Oberarmen mit Abklebeband die Ärmel seines Trikots fixiert. Unsere Sprüche musste sich der Dünne dann eben anhören. Und ward ganz schnell unterschwellig aggressiv. So versuchte er uns mit Wasser zu bespritzen. Wir wiesen den Schiri darauf hin, in der Hoffnung ihn ein bissel beeinflussen zu können. Leider machte uns der Trainer der Füchse einen Strich durch die Rechnung, in der 70. Minute wurde der 18-er ausgewechselt. War wohl Zeit...
In Minute 84 hatte dann auch noch Nico Patschinski seinen effektiven Auftritt. Nach herrlichem Pass von Karaduman umspielte er den Torhüter und schob lässig zum 3:0 ein.
Der Rest war abfeiern.
Ganz souverän und abgeklärt gewann unser BFC. Alle Mannschaftsteile scheinen sich mehr und mehr zu finden. Christian Backs macht eine tolle Arbeit als Trainer. Er ist der Dirigent und das Orchester spielt für uns eine königliche Symphonie nach der anderen. Es ist einfach eine Wohltat, diesem BFC Dynamo beim Fußball zelebrieren zusehen zu dürfen!
Zu diesem schönen Fußballsonntag leisteten natürlich auch die Gastgeber einen gehörigen Anteil! Wie schon erwähnt, super organisiertes Catering, richtig nette Ordner, Einlasser und Verkäufer. Kein störender Bauzaun vor der Latichte und keine aufmarschierte Polente. Und mein Fahrrad war auch noch da. Echt gastfreundlich und unkompliziert das Ganze. Beispielhaft für alle Vereine der Oberliga!
Janusz
Statistik
Reinickendorfer Füchse:
Dame, Sinan, Groth (60. Zafer), Görgen, Busse, Gültepe (70. Haubitz), Otto, Zielske, Mätzschke (46.Nerger), Böttcher, Selanci
Trainer: Oliver Kieback
BFC Dynamo:
Thomaschewski, Kurbjuweit, Wallschläger, Petrowsky, Manteufel (72. Adler), Erdil, Spork, Gerhard (46. Karaduman), Oumari, Patschinski, Preiß (83. Krause)
Trainer: Christian Backs
Tore:
0:1 Karaduman (48.), 0:2 Karaduman (52.), 0:3 Patschinski (85.)
Schiedsrichter:
Paul Müller (Berlin)
Zuschauer:
853 (ca. 700 BFC Fans darunter)
Gelbe Karte:
Groth, Nerger (3.Gelbe Karte) / Karaduman (2.)
Gelb-Rote Karte:
Görgen (67.) /
Besondere Vorkommnisse:
Nico Patschinski verschiesst Elfmeter (68.)