brandenburg süd vs. BFC Dynamo 1:1 (1:1)

19. Spieltag

05. MAI 2010


Brandenburger SC Süd 05 – BFC Dynamo „Die beste erste Hälfte seit Jahren (bis zum Gegentor)“ (Trio)

Nun endlich das letzte der zahlreichen Nachholspiele, die uns der ewige Winter beschert hatte. Brandenburg gegen den Meister. Im Hinspiel hatten wir zuhause 3:3 verloren. Verloren? Ja, denn nach ner 3:1 Führung und absoluter Überlegenheit das Ding noch aus der Hand zu geben hatte uns seinerzeit 2 Punkte gekostet. Punkte, die wir jetzt dringend bräuchten. Denn durch unsere Spielweise in der Rückrunde hat sich der 1-Punkte-Vorsprung auf die Amateure von Cottbus zur Halbserie in einen Rückstand verwandelt, so dass wir aus eigener Kraft den erträumten und fast schon greifbar nahen Aufstieg nicht mehr schaffen können. Der traurige Höhepunkt in diesem Zusammenhang war nach einem mageren Unentschieden gegen Greifswald sicher das Heimspiel gegen Torgelow, bei dem wir regelrecht verprügelt wurden. Vor Wochenfrist zeigte dann die Mannschaft in Malchow, dass da noch Leben ist, auch wenn es hier wieder nur ein Unentschieden wurde. Und auch wir Fans zeigten dort, dass wir immer noch da sind und, bis auf einige Ausnahmen, zur Mannschaft und zum Trainer stehen. Das Nervenkostüm einiger Akteure auf und vor allem neben dem Spielfeld ist inzwischen jedoch offenbar arg strapaziert.
Nun galt es also für uns, die Scharte des Hinspiels auszumerzen und den Abstand zu Platz 1 wenigstens noch zu verringern. Dass das nicht einfach wird, sieht man an der Tabelle. Brandenburg mit 45 Punkten und 47 Toren immerhin auf Platz 5 der Tabelle. Beim Auswärtsspiel in Cottbus um den Sieg gebracht (Tor nach Ecke wegen Abseits nicht gegeben?), vor 5 Tagen gegen Falkensee mit 1:4 gewonnen, nachdem man kurz zuvor gegen Laubsdorf im Pokal souverän gewann, Neustrelitz auswärts geschlagen. Im Moment spielt man hier wirklich guten Fussball. Beste Torschützen mit jeweils 10 Toren Rene Görisch und Kevin Neuhaus. Insbesondere Rene Görisch als beidfüßiger, schneller Stürmer immer gefährlich. Im Tor bei Süd nach der Verletzung von Jurzik Conny Wieland, der im Spiel gegen uns oft im Mittelpunkt stehen wird. Conny Wieland, der für einige aussieht wie der örtliche Kneiper – da war doch mal was?
Rückblende: 17. Mai 1992. Europameisterschaft der U16, Finale in Larnaca, Zypern. Spanien gegen Deutschland, nachdem man im Halbfinale Italien im Elfmeterschießen besiegt hatte. Deutschland gewinnt 1:2, der letzte Titel einer DFB-Jugendmannschaft bis 2008. Im Kader damals ein gewisser Lars Ricken. Und im Tor: Conny Wieland. Also ein Alt-Europameister im Tor von Süd, der Elfer halten kann J.
Heute sollte natürlich der BFC als Sieger vom Platz gehen. Geworben wurde hier im großen Stil, mit freiem Eintritt für Frauen, Friseurgutscheinen etc. Zielmarke: 2000 ZS. Dass das nichts werden wird, war irgendwie klar, aber 1000 sind schon realistisch. Immerhin kommen wir ja in der Regel zahlreich. Eine viertel Stunde vor Anpfiff war auch die Haupttribüne gut gefüllt, der Gästeblock allerdings recht leer. Zu Spielbeginn tummelten sich dann vielleicht 150 BFCer und Andere im Gästebereich. Die Mannschaftsaufstellung überraschte vielleicht. Für Patsche spielte Steinborn von Beginn, im Mittelfeld lief Robben auf. Aber was war das für ein System? Die Katze im Tor. Ne Dreierkette hinten, mit Littmann als Zentrale, Petrowsky und Wallschläger als Außenverteidiger. Davor Spork, auf der Außenbahn Preiß und Kurbel, Erdil und Robben etwas zentraler hinter den Spitzen Karaduman und Steinborn. Interessant, ma gucken, ob das was wird. Bei Süd die übliche Besetzung. Allerdings verletzte sich beim Warmmachen Rene Görisch und wurde durch den zweifachen Torschützen gegen Falkensee Lars Müller ersetzt. Glück für uns, dachte ich, denn Görisch ist wie gesagt nicht ungefährlich. Pech für ihn und gute Besserung an dieser Stelle. Schiedsrichter Marcel Bartsch aus Neustadt.
Anpfiff, wir haben den Ball und nach 1 Minute die erste Ecke. Eine Bogenlampe aus gut 25 Metern senkt sich gaaaanz gefährlich auf die Querlatte des gegnerischen Tors, aber leider hatte Wieland trotz seiner Leibesfülle noch schnell die Finger dran. Die Ecke brachte, wie meist, nichts ein. Aber das machte nichts, denn Dynamo ging ab wie die Post. Ein Angriff nach dem anderen, schnelles Umschalten auf Angriff, das machte Spaß. Süd war in dieser Phase nur in der Lage, die Bälle unkontrolliert rauszuhauen. Gekrönt wurde dieses Spiel durch das hier schon hochverdiente 0:1. Ein guter Pass in die Spitze, Karaduman legt ihn sich vor und vollendet mit nem klasse Schuss nach 7 Minuten. Und weiter gings. Die Abwehr hinten stand gut, man bewahrte Ruhe, spielte den Ball sicher hin und her, um dann blitzschnell aus dem zentralen Mittelfeld auf Kurbel oder Preiss zu passen, die auf den Außenbahnen einen Graben in den Rasen rannten. Vor allem Kurbel ohne Rand und Band. Etwa 4 Minuten später wieder Karaduman - 0:2. Leider Abseits. Ein auf der Tribüne sitzender und damit besser postierter Sportsfreund und Fan des Gegners sagte mir jedoch, dass es wohl eher keins war. Na egal, wir machten weiter Druck. In der 20. Minute, das muss es doch sein. Steinborn läuft allein und völlig frei auf das Tor von Wieland zu. Doch dieser kommt raus und wirft sich ganz gekonnt dazwischen und nimmt Steinborn den Ball vom Fuß. Chapeau, das war gut. Wenig später Preiß, der von außen in die Mitte zieht. Aber leider traut er sich nicht, sondern flankt nochmal in den Strafraum, statt direkt abzuziehen. Abseits. Und so kamen wir zu teils deutlichen Chancen, ohne diese zu nutzen. Mario Block, der Trainer von Süd:  „ Wir hätten zu diesem Zeitpunkt schon 0:5 zurückliegen können“. Mit zunehmender Spieldauer kam der Gegner besser ins Spiel, aber wirkliche Chancen ergaben sich kaum. Das war nicht nur der Abwehr zu verdanken, sondern der Mannschaft, die verbissen um jeden Ball kämpfte, hinterher setzte und nichts verloren gab. Bis zur 35. Minute, als Neuhaus zu zögerlich war, als er zentral frei stand. 3 Minuten später rächte sich dann die unzureichende Chancenverwertung. Nach einem Freistoß vor unserem Strafraum, aus welchem Grund auch immer, kriegen wir das Ding nicht raus und Lars Müller, der Görisch-Ersatz, bringt den Ball aus Nahdistanz ins Tor. So ein Mist. So gings dann auch in die Pause.
In der 2. Hälfte spielten wir auf das Tor vor dem Gästeblock. Dadurch konnten wir wenigstens etwas sehen, denn durch zahlreiche Gitter ist die Sicht aufs Geschehen in Brandenburg leider sehr verbaut. Und es ging los wie in der ersten Hälfte, nur umgekehrt. Süd drückte gleich vom Punkt aus und holte nach 3 Minuten 2 Ecken raus. Wir waren in dieser Phase völlig überrascht und hatten Glück, dass kein Tor fiel. Steinert hatte noch eine gute Chance und Voß verfehlte das Tor nur knapp. Für unsere Mannschaft spricht, dass sie sich aber davon nicht beirren ließen, sondern die Nervosität ablegten, das Spiel wieder an sich rissen und schließlich, wie in der ersten Hälfte, stramm nach vorn spielten. Süd bemühte sich zwar, ging härter in die Zweikämpfe, aber schließlich dominierte Dynamo das Geschehen wieder weitgehend. Leider setzte sich unser Pech fort. Zunächst einmal standen der Schiri und seine Assistenten, vor allem der auf unserer Seite im Blick. Die eine oder andere Verwarnung für Akteure der Heimmannschaft war spätestens jetzt hochangebracht. Und Abseits kann man eigentlich nur anzeigen, wenn man sich auf einer Linie befindet. Dies gelang dem Linienrichter vor unserem Block selten. Und so wurde die eine oder andere Chance durch falsche Entscheidungen zunichte gemacht. Gegen solche Umstände hilft nur eins: klare Tore. Und die Möglichkeiten waren da. Brendel, der für Preiss kam, holte sich den Ball im Strafraum wieder, stand aber im ungünstigen Winkel vor dem leeren Tor, passt parallel zur Grundlinie auf den heraneilenden Karaduman, der aus 2 Metern danebenschießt. Eigentlich geht das gar nicht, in der Nähe muss ein schwarzes Loch sein, dass durch die Gravitation den Ball ablenkte. Ich weiß es nicht. Kurz danach ist Robben mit dem Ball im Strafraum, Wieland schon geschlagen, aber der Ball aus Nahdistanz wieder nicht drin. Unklar, absolut unklar. Wieviel  Chancen brauchen wir denn noch? Besonders positiv indes tat sich Kurbel hervor. Er rackerte auf der Außenbahn, holte sich Bälle, verteilte, flankte, kämpfte, lief sich frei. Was der gerannt ist. Das ist der BFC! Dann die fragwürdigste Schirientscheidung. Karaduman ist frei durch im Strafraum, Wieland liegt am Boden, der Ball schon vorbei und die Hände des Keepers gehen blitzschnell zum Fuss von Kara, der fällt. Klarer Elfer, klarer geht’s nicht. Leider hat der Linienrichter wieder nichts gesehen. Eine weitere komische Entscheidung war, als Wieland im Strafraum außerhalb des 5 Meter-Raums den Ball wegfausten will, Karaschewitz trifft, ohne dass einer unserer Spieler in der Nähe stand, beide fielen und Freistoß für Süd gepfiffen wurde. Beinahe wäre Süd noch der Siegtreffer gelungen, allerdings ohne eigenes Zutun. In der 88. Minute gibt Petrowsky aus 30 Metern den Ball in einer Bogenlampe auf die Katze zurück. Leider stand der weit außerhalb des Tors. ein guter halber Meter rettete uns vor dem kuriosen Eigentor. Dann die letzte Ecke für uns, alle mit vor, die Katze in des Gegners Hälfte, aber auch das wurde nicht belohnt. Was bleibt: 2 Punkte vergeben, obwohl auch diesmal weit mehr drin gewesen wäre. Leider. Aber: Bonan mit einem überraschenden System, aus dem ein sehenswertes, schnelles Spiel resultierte. Die Mannschaft im Gegensatz zum Torgelowspiel kämpferisch, konzentriert und spielfreudig. Auch wenn es nicht gereicht hatte, das Spiel war spannend und gut anzusehen. Das macht Hoffnung. Wie auch immer die Mannschaft aussieht, die nächste Saison spielt, egal wo- mein Vertrauen hat Bonan. Dieses Spiel hat gezeigt, dass er trotz ungünstiger Umstände in der Lage ist, die Mannschaft zu motivieren, so dass wir die beste erste Hälfte seit Jahren sehen konnten.
Umso betrüblicher stimmt das Verhalten einiger, die sich nicht nur nach dem Spiel gegen Brandenburg völlig danebenbenahmen. Es ist schon zur Genüge diskutiert worden und ich hoffe, dass die entsprechenden Sportsfreunde sich das zu Herzen nehmen. Ihr seid willkommen, aber wir sind der BFC und nicht Union. Wenn ihr meint, das Ansehen unseres Vereins durch derartige Aktionen in den Dreck zu ziehen, dann werden wir das nicht dulden. Ich fahre lieber mit 100 Leuten irgendwohin, die das, was Dynamo immer ausgemacht hat – Ehre und Anstand – auch verinnerlicht haben, als mit 500, die nur das „Wir gewinnen gemeinsam“ im Kopf behalten haben. Der Aufstieg wird wohl weg sein, aber es gilt, der Mannschaft zu zeigen, dass wir immer noch da sind. Denn nur dann wird sie bereit sein, wirklich um den Pokalsieg zu spielen. Lautstarke, öffentliche Beleidigungen gegen Trainer und Mannschaft, vor allem wenn es sich dabei um Spieler handelt, die sich wirklich mehr als bemüht haben, sind wenig motivierend und zeichnen ein Bild von uns in der Öffentlichkeit, das vieles kaputt macht, was langwierig aufgebaut wurde. Hier sind alle Fangruppen und jeder Einzelne gefragt, sich dagegen zu stellen, den Nachbarn zur Räson zu bringen und das Credo klarzumachen, was uns auszeichnet: „United we stand, united we fall. But we always stand up.“. Auf Dynamo.

Weinrotweiße Grüße

Statistik

BRANDENBURG SÜD:
Conny Wieland - Marko Görisch, Tom Mauersberger, David Karaschewitz, Timo Steinert - Zvonimir Penava, Maik Neumann, David Kappel - Kevin Neuhaus (90. Dimitrios Mpoutsis-Voutsis), Stefan Voß - Lars Müller (75. Maik Aumann)  - Trainer: Mario Block

BFC DYNAMO:
Nico Thomaschewski - Robert Littmann - Daniel Petrowsky, Amadeus Wallschläger - Tobias Kurbjuweit, Guido Spork, Christian Preiß (62. Marcel Brendel) - Kadir Erdil, Jens Robben (78. Max Gerhard) - Firat Karaduman, Matthias Steinborn (73. Nico Patschinski) - Trainer: Heiko Bonan

TORE:
0:1 Firat Karaduman (7.), 1:1 Lars Müller (39.)

SCHIEDSRICHTER:
Marcel Bartsch (Neustadt - Glewe) Schiedsrichter-Assistenten: Marco Semrau (Goldenstädt), Christian Nemec (Spornitz)

Zuschauer:
857 (darunter 100 BFCer)

Gelbe Karte:
- / Amadeus Wallschläger (67. - 3. GK), Max Gerhard (80. - 5. GK und damit ein Spiel gesperrt), Tobias Kurbjuweit (90. - 2. GK)