Spielbericht
SV Yesilyurt - BFC Dynamo
26.04.2007
„Der Optimist sieht in jedem Problem eine Aufgabe. Der Pessimist sieht in jeder Aufgabe ein Problem.“
Unbekannter Autor
Nach dem großartigen Heimsieg vor 4 Tagen gegen Türkiyemspor galt es an diesem herrlichen Donnerstagabend gegen den SV Yesilyurt nachzulegen, übrigens der ehemalige Verein unseres Geschäftsstellenleiters Frank Berton und unseres „Volkaniers“ Volkan Uluc. Also begab sich die hoffnungsfroh gestimmte Gemeinde der BFC-isten in das Cantianstadion im Prenzlauer Berg, um der gefühlten Hoffnung Nahrung zu geben. Schon beim Ankommen im weiten, bunten Rund des Ovals konnte ich nur fröhliche Gesichter erkennen. Woran das wohl gelegen haben mag.
Bestimmt am Wetter... Wir versorgten uns erstmal mit den üblichen Zehrungen, machten es uns bequem und tauschten die obligaten Ergebnistipps aus. Ich wurde mal wieder für mein „4:0, bis es stimmt...“ belächelt. Nun waren wir aber zu Gast bei der Mannschaft, welche in den letzten Wochen durch bedachte Finanzpolitik, delikatem Fußball und Tausenden von Fans zu beeindrucken wusste. Diese Eigenschaften zeigten sich gleich beim Kartenkauf. Ein Auswärtsspiel und dann Eintrittskarten des BFC. Am Einlass warteten unsere Ordner.
Auch das Catering war in unserer Hand. Die Gestaltung der Eintrittspreise scheinbar ebenfalls, 8 €uronen. Der SV Yesilyurt war nämlich vorab leider nicht in der Lage, das anstehende Spiel gegen unsere Recken zu veranstalten, also sprang der BFC in die Bresche. Einige von uns beschlich die garstige Ahnung, daß dieses edle Entgegenkommen durchaus auch nach hinten losgehen könnte, hätten wir doch mit ziemlicher Sicherheit die Punkte am grünen Tisch zugesprochen bekommen. Es spricht aber für das Selbstbewusstsein und die Charakterstärke unseres Vereines, die Entscheidung auf dem Platz im sportlichem Wettstreit zu suchen. Und zu finden, wie sich zu unserer Freude nach kürzester Zeit herausstellen durfte. Die Mannschaftsaufstellung brachte keinerlei Überraschungen.
Unser Trainer Volkan Uluc hielt sich an das ungeschrieben Gesetz, „Never change a winning team!“ und stellte folglich die gleiche Startformation wie gegen Türkiyem auf. Eine nominelle Spitze, dahinter die Mittelfeldraute und diese faktisch als Basis mit der klassischen Viererkette verstärkt. Und ganz hinten standen wie immer unsere Urgesteine, Motche im Tor und der Lenzer davor. Das Spiel konnte beginnen, nicht ohne vorher den grün-weiß gefärbten Käsekuchen unserer Fanmutti gebührend zu lobpreisen, hatte doch ihre Backkunst als gutes Omen bis dato den BFC im Jahre 2007 zu zwei Siegen getrieben. Gleich von Beginn an sahen wir unsere Spieler da weitermachen, wo sie am vergangenen Spieltag aufgehört hatten. Schnelles, kompaktes Zusammenspiel, immer das gegnerische Tor als Ziel nicht aus den Augen verlierend.
Schon nach wenigen Minuten zeigten die gelb-grün gekleideten Brasilienimitatoren der „grünen Heimat“ scheinbar hilfloses und Südländern emotional innewohnendes Fußballerverhalten. Es wurde geholzt, was das Zeug hielt. Schiedsrichter Rene Rohde aus Rostock ließ sich davon aber nicht beirren und zückte hin und wieder recht oft den gelben Karton. Ob dies nun aus fußballerischem Sachverstand oder namentlich gefühlter Verpflichtung gegenüber dem BFC geschah, sei dahingestellt. Definitiv muß dem Schiri eine ordentliche Leistung attestiert werden. Unsere Mannschaft berannte also von Beginn an das gegnerische Tor. In Minute 10 wurde Dennis Kutrieb auf halblinks vor dem Strafraum gefoult. Eine ideale Entfernung für unseren Lenzer, ideal, um den Ball in den Kordon der Yesilyurter Mauer zu hämmern. Was dann auch geschah, wie immer.
Eines jedoch war neu. Der Abpraller landete erneut bei unserem Urgestein. Lenzer nutzte den Rebound direkt und zimmerte die Pille aus geschätzten 20 Metern unhaltbar für den bemitleidenswerten Torhüter Baran links unten ins Netz. (11. Minute) Das Stadion wurde zum Tollhaus. Einmal ob der frühen Führung, zum anderen wegen des Torschützen. Alle, aber auch alle im Block gönnten Jörn Lenz dieses herrliche und wichtige Tor. Wenn es einer verdient hat, dann er. Es war sein 15.Tor im 305. Punktspieleinsatz für seinen, unseren BFC! Tja, der Frühling macht’s eben möglich... Und der Spruch: “Lenzer, mach´n direkt!“ wird wohl abgewandelt in: „Lenzer, mach´n im Nachschuß!“
Im Spielverlauf änderte sich anschließend recht wenig. Der Gegner fand spielerisch nicht statt, der BFC dafür umso mehr. Jeder Versuch der Yesilyurter in unsere Hälfte zu gelangen, wurde im Keim erstickt. Immer und immer wieder. Daraus resultierte dann auch der überirdische Auftritt von Christian Ritter. Ein gezielt hoher Ball aus dem Mittelfeld erreichte ihn punktgenau. Dank seiner beneidenswerten Athletik, seines tollen Ballgefühles und seines Kämpferherzes konnte er den Ball souverän behaupten, umkurvte den bemitleidenswerten Baran und schob zum 2:0 ein (21. Minute). So langsam wurde es unheimlich. Unser Gegner machte weiterhin nur durch Fouls auf sich aufmerksam. Cetin Aydin, der mit Abstand kleinste Mann auf dem Platz, tat sich dabei besonders hervor. Nach einer fiesen Unsportlichkeit wurde er vom Schiri mit Gelb und von uns mit gesungenem Hohn und Spott: „Böser Zwerg, böser Zwerg, böser Zwerg...!“ bestraft.
Nur zwei Minuten nach Ritters Tor durfte es Jeff Kayser ihm gleichtun. Herrlich herausgespielt, kongenial mit Alexander „Jako“ Jakowitz im Doppelpaß, ließ er der Yesilyurter Hintermannschaft keine Chance, allen voran dem bemitleidenswerten Herr Baran. Den ersten Köpper konnte er noch abklatschen, der Nach“schuß“kopfball aber saß! Wir feierten, was das Zeug hielt und rieben uns die Augen. Die einen wegen der Rührung und Glückseligkeit aufgrund des Auftrittes unseres BFC, die anderen wegen der Unglaublichkeit, mit welcher unser Team momentan wie Phönix aus der Asche steigt. Und weiter ging es. Ein Angriff nach dem anderen brach über die Herren der „Grünen Heimat“ herein. Diese versuchten eigentlich nur, den Mangel zu verwalten. Gegen das sehr gut organisierte Stellungs- und Pass-Spiel des BFC schien kein Kraut gewachsen.
In der 37. Minute dann ein Foul im Strafraum an Jeff Kayser als letztes Mittel durch den bösen Zwerg. Es heißt, den letzten beißen die Hunde. Im Fußball beißt niemand, hier gibt es ´ne Karte. Hier gab es folgerichtig Rot für den Zwerg. Den fälligen Elfer verwandelte Dennis Kutrieb zum 4:0! (39. Minute) Der bemitleidenswerte Baran sprang nicht mal richtig, er fiel einfach um. Nachvollziehbar! Ich für meinen Teil hoffte aus ausschließlich egoistischen Beweggründen, daß der Spielstand so bleiben möge. Nur starb diese Hoffnung in der 41. Minute einen schändlichen Tod. Nach einem schön heraus gespielten Konter konnte der SV Yesilyurt auf 1:4 verkürzen.
Übrigens ging dieser Treffer in der Wahrnehmung vieler BFC-Fans unter, da sich noch mit Feiern beschäftigt wurde. Die am meisten gestellten, ungläubigen Fragen waren: „War das jetzt echt ein Tor?“ oder „War was?“ Im Zuge der überaus unfairen Gangart des Gegners mussten wir leider auch eine unplanmäßige Auswechslung mit ansehen. Nach einem rüden Foul konnte Jens „Teufel“ Manteufel nicht mehr weiterspielen und wurde durch Daniel Schmele ersetzt. Es sah wirklich nicht gut aus. Auch auf diesem Wege gute Besserung!!! Das Halbzeitfazit fiel selbstverständlich euphorisch aus. Besonders stach der Lenzer hervor. In seinem gefühlt Millionstem Frühling mimte er den offensiv antreibenden Spielgestalter, brachte stets Unruhe und natürlich dieses herrliche Führungstor. Einsame Spitzenklasse. Nun hofften wir selbstverständlich auf noch viele, schöne Tore in Halbzeit 2. Der BFC machte weiter das Spiel, ließ es aber aus verständlichen Gründen etwas ruhiger angehen.
Diese Gangart eröffnete unserem Gegner einige Möglichkeiten, auch einige Chancen. Aber unsere Abwehr hat in den letzten Spielen schon bewiesen, daß wir ihr Vertrauen schenken dürfen. Und wenn es da mal nicht klappt, haben wir ja noch den großartigen Motche im Tor, welcher bestimmt zwei, drei mal gegen allein auf ihn zulaufende Yesilyurter souverän klären konnte. In der 57. Minute wurde dann unter stehenden Ovationen Jeff Kayser aus und Valon Strana eingewechselt. Letzterer erhielt vom Trainer dann in der 81. Minute den pädagogischen Rüffel und wurde für Richard Below vom Feld genommen. Grund dafür war, nach meiner Einschätzung, daß Valon viel zu eigensinnig agierte. Mindestens zwei so genannte Hundertprozentige ließ er vor des Gegners Kasten ungenutzt oder sah den besser postierten Mitspieler nicht. Aber Valon ist noch jung und sollte sich jetzt nicht demotivieren lassen. Mit mehr Abgeklärtheit, Übersicht und Teamgeist wird er definitiv seine Chance wiederbekommen. In der Ruhe liegt die Kraft. Überhaupt die Torchancenverwertung.
Darin zeichnete sich nicht nur Valon Strana negativ in der zweiten Hälfte aus. Irgendwie schienen sich unsere Mannen zu sicher zu fühlen, beim Spielstand von 4:1 irgendwie auch nachzuvollziehen. Es wurde aber nur noch auf Schönspielerei geachtet. Diesen leichten Schlendrian dürfen sie nicht kultivieren. Aber Sorgen brauchen wir uns wohl nicht zu machen denn Volkan Uluc wird den Jungs diese Flausen mit seiner Trainerphilosophie schon austreiben. Übrigens ist Volkan Uluc auch noch ein begnadeter Winker! Kurz vor Schluss gab sich Yesilyurt auf und unser BFC wurschtelte noch einmal im Stile einer Klassemannschaft übers Feld. In der 86. Minute ein Zucker-sahne-edel-paß von Kutrieb auf Ritter, welcher sich dies nicht nehmen ließ und zum 5:1 Endstand am bemitleidenswerten Torhüter Baran vorbei einschob. Dieser Treffer, Nummer 6 für Christian Ritter!, wurde schon von unseren euphorisierten und lautstarken Gesängen eingerahmt. Wir ließen die Mannschaft hoch leben, klatschten in die Hände, stampften mit den Füßen und schrieen: „BFC!“ Und da wir Lust hatten, taten wir es zusammen.
Es folgte der Abpfiff, sämtliche Dämme waren da schon gebrochen. Soviel Glückseeligkeit auf einem Haufen habe ich beim BFC das letzte Mal beim Aufstieg in die Oberliga und beim Führungstor gegen die Waldheinze im vergangenen Jahr erlebt. Es macht wieder Spaß, zum BFC zu gehen. Erst recht und gerade nach dieser quälenden Saison. Und in der jetzigen Form sollte der weitere Kampf um den Klassenerhalt dem Team leichter fallen, zumindest im Kopf. Der ganz große, hemmende Druck scheint weg zu sein. Alles, was jetzt noch kommt, wird vom Trainer gewiss in positive Bahnen und Energien gelenkt.
Die Mannschaft scheint sich endlich ihres Potentials bewusst zu sein und darf sich jetzt wieder wirklich ein Team nennen. Aber Vorsicht! Noch ist nichts, aber auch gar nichts in trockenen Tüchern. Der BFC hat sich bis jetzt lediglich die Chance erspielt, die vermaledeite Relegation doch noch zu umgehen.
Also Ärmel noch weiter hochjekrempelt und weiter so!!!
wrwG
JanuszGG