Spielbericht

BFC Dynamo - SV Yesilyurt

28. Oktober 2006



Das heutige Spiel sah einen neuen Mann für uns an der Seitenlinie - Ingo Rentsch, beim Spiel gegen Tuerkiyemspor bereits als Zaungast zugegen. Optisch vom Weiten durch seinen schnieken "Armani-Look" zu erkennen. Nun - wenns schee macht. Als Fan erhoffte man sich von der Mannschaft einen mindestens genauso schnieken Auftritt auf dem Rasen. War im Spiel gegen die Kreuzberger immerhin schon eine Steigerung erkennbar, musste heute nun endlich mal der Knoten platzen. Zumindest der Trainer gab herfür ganz klar die Marschroute vor - eine satte Dreierspitze mit Jahn, Suwary und Kayser sollte es heute richten. Wann hatten wir das letzte Mal eine solche offensive Ausrichtung? Zudem bewies er Mut durch das Bringen des jungen Patrick Boese aus unserer Jugend. Aber warum nicht, wurde ein Setzen auf die eigene Jugend doch immer wieder von allen Seiten gefordert?!

Enttäuschend aber eher die Zuschauerkulisse. Lediglich 412 Zuschauer wollten die Trendwende gegen den SV Yesilyurt erleben - trauriger Tiefpunkt einer sport- lichen Talfahrt.Unsere Dynamos begannen mit dem Anpfiff sofort ihren hehren Absichten kundzutun. Bereits in der zweiten Spielminute eine Grosschance durch Jahn per Kopf - leider konnte er nicht genug Druck hinter den Ball bringen, sodass der Yesilyurter Schlusmann den Ball noch irgendwie zu greifen bekam. Kurz drauf nochmal Chance durch Rudwaleit - wieder nix. Aber das lies hoffen, waren es doch immerhin schon zwei ganze Grosschancen mehr als gegen die Kreuzberger letzte Woche. Dann kam aber der SV Yesilyurt verstärkt auf. Vor allem durch ihre Schnelligkeit konnten sie ein ums andere Mal unsere behäbig wirkende Hintermannschaft ins Wanken bringen. Bereits hier deutete unsere "Vereinskatze" (O-Ton Frank Berton auf der Fanveranstaltung) eine bestechende Form an.

Die Last der Trainerverant- wortung scheint wie ein Umhang von seinen Schultern abgefallen zu sein. Schon allein dieser Fakt scheint wohl die Neu-Trainerverpflichtung zu rechtfertigen. So konnte er in letzter Not einen Schuss aus nächster Distanz mit der Hüfte zur Ecke klären. Jedoch Durchatmen in der 22. Spielminute. Einen scharfen Ball konnte unsere "Katze" nur abklatschen lassen und ein Yesilyurter Spieler schob ein - aber Abseits! Glück gehabt.. Daraufhin war nach gut 26 Minuten das Experiment mit der Jugend auch schon wieder beendet. Der Trainer korrigierte seinen Aufstellungs- fehler und brachte "Teufelchen" für den völlig überforderten Jugendspieler. Dies mag sicherlich für einen Spieler eine Höchststrafe sein, jedoch sollte der Trainer den Mut haben dem Spieler zu einem späteren Zeitpunkt eineerneute Chance zu geben. Insgesamt sicherlich nicht glücklich in solch einem Spiel einen so unerfahrenen Spieler von Beginn an aufzustellen.

Glücklicherweise stabilisierte sich unsere Mannschaft nach diesem Schock und begann postum selbst wieder Druck aufzubauen. Damit schienen wiederum die Gäste überfordert zu sein, denn nun schafften es unsere Jungs im Gegenzug deren Schwächen im Deckungsverbund schonungslos aufzudecken. Und genau in diese Druckphase fiel dann der vielumjubelte Führungstreffer. Nach herrlichem Einzelspiel brach einer unserer Jungs halblinks in den Strafraum ein, Kopf hoch und den frei- stehenden Suwary entdeckt (in der Vergangenheit auch keine Selbstverständlichkeit) und dieser hämmerte den Ball nach Querpass unhaltbar in die Maschen (1:0, 27.min). Ich kann gar nicht beschreiben, was daraufhin in unserem Block los war - sowas hatte man seit dem TeBe-Spiel nicht mehr erlebt. Danach unsere Jungs weiter am Drücker und nun Chancen in kurzen Abständen. So vergab Ete Palmer nach Flanke von Majanne und dann dieser nach Pass von Suwary.

Dann wieder eine Standardsituation. Ecke von links kurz vor den 5-Meter-Raum, Kopfballablage zurück und Kayser hämmert das Ding in die Maschen. Alles schon am Freuen, aber dann die Enttäuschung - Schiri gibt Frei- stoss, da er den herauseilenden Torwart behindert sah. Kann man auch anders sehen, denn der vorgebliche Tatort lag VOR dem 5er und zudem stürzte sich ja der Torwart dort ins Getümmel hinein. Aber gut, muss man akzeptieren. So ging die erste Hälfte mit einer Gelben für Jahn in der 40. Minute zu Ende. Die Dreier- spitze funktionierte inmmer besser, Suwary auch ohne das Tor grandios, Kayser schaffte es sich zunehmend besser in Szene zu setzen und Jahn in der Luft ein ums andere Mal gefährlich. Auch funktionierte nun der Druck aus dem offensive Mittelfeld immer besser. Nur unsere Abwehr scheint ein seltsames Leiden befallen zu haben. Zu offenkundig beginnt diese zu schwimmen, tauchen die flinken Spieler des Gegners vor unserem Tor auf. Aber erst mal Pausentee. Nach der Pause schienen die Yesilyurter zunächst wacher als unsere Jungs zu sein. So schockten diese kurz nach Anpfiff durch gefährliche Angriff

Wiederum unsere "Vereinskatze" hellwach und konnte diese Grosschancen vereiteln. Die meisten Fans waren dem Herzinfarkt nahe. Aber wiederum fing sich unsere Mannschaft und bekam mit fortschreitender Spieldauer die Gäste besser und besser in den Griff. Es war auch offenkundig, dass man durch diesen Angriffsschwung die Gäste auch wirksam von unserem Tor fernhielt - in Anbetracht des Zustandes unserer Abwehrreihen wohl das probateste Mittel. Und unsere Mannschaft konnte sich wiederholt Grosschancen herausarbeiten, um den Sack zu zumachen. Allein konnte keine einzige genutzt werden. Das alte Leiden. So kam zu eigener Unfähigkeit (Fricke allein vorm Tor, Pieke und über die Latte) auch noch Pech hinzu. Aber auch das kennt man ja schon zur Genüge. Viele beschlich trotz der drückende Überlegenehit in dieser Phase das ungute Gefühl, dass diese knappe Führung wieder nicht reichen könnte am Ende. Trotzdem schien aber alles noch nach Plan zu verlaufen. Nach wiederholtem Foul- spiel musste ein Yesilyurter mit Gelb-Rot zum vorgezogenen Duschen (71.min). Ab diesem Moment begann das Spiel zu kippen. Die Gäste-Spieler begannen mehr und mehr zu provozieren. So wurden mehr und mehr Freistösse provoziert, wie üblich auch versucht Elfmeter zu schinden.

Es kam immer wieder zu Rudelbildungen und Diskussionen mit dem Schiedsrichter. Diese Aktionen schienen denn auch ihre Wirkung nicht zu verfehlen - so griff diese aggressive Stimmung vom Rasen zunächst auf die Reserve-Bänke (dort fiel zum wiederholten Male ein bekannter Betreuer auf) und von da auf die Tribüne über. Bei beiden Tatorten begannen Funktionäre und Angehörige des Gästevereins vor Augen des NOFV, Polizei und wieder anwesender Presse zunächst unsere Leute zu beleidigen um dannach noch handgreiflich zu werden. Es ist grotesk, dass letztlich wieder nur einer unserer Leute abgeführt wurde, jedoch keiner der Verursacher dieser Aufruhr. Auch wird man abwarten, ob und welche Folgen diese Aktionen für den Verein mit Migrationshintergrund haben wird. Aus alter Erfahrung kann ich behaupten - wohl keine. Auch wird diesmal wohl auch kein Mitarbeiter der anwesenden Presse nach Zwangsabstieg oder ähnlichem schreien. Soviel zum Thema Gleichbehandlung.

So kam es wie es kommen musste. Unsere Mannschaft lies sich leider zusehens beeindrucken und so fiel folgerichtig der Ausgleich in die totale Konfusion unserer Hintermannschaft (1:1, 78.min). Aber nun folgte die grösste Frechheit des ganzen Spiels. Lief der Torschütze vor unseren Block und konnte es sich erlauben vor Augen des Schiedsrichters unseren bis dahin ausserordentlich fairen und friedlichen Fans den Stinke-Finger zu zeigen. Seine dazugelaufenen Mitspieler liessen sich draufhin gleichfalls nicht bitten. Und der Schiedsrichter? Zeigte dem Torschützen nicht einmal Gelb, obwohl allein das Laufen vor den gegnerischen Block dafür schon ausgereicht hätte. Für den Stinkefinger wäre wohl jeder andere direkt Duschen gegangen. Aber auch an dieser Situation kann man erkennen, dass im Zusammenhang mit uns die Uhren offensichtlich anders ticken.

Ich mag mir gar nicht ausmalen was ein Spieler von uns für die gleiche Aktion bekommen hätte. Positiv bleibt zu vermerken, dass unsere Spieler daraufhin auch die richtige Wut für eine entsprechende Antrwort parat hatten. So wurde kurz hintereinander die Abwehr der "Gäste" geradewegs überannt. Beide Male tauchte Fricke allein vor dem Tor auf, allein beim zweiten Mal hätte er aus spitzem Winkel auf den freistehenden Kayser passen MÜSSEN. Aber so wurden beide Chancen vertan. Es folgten noch weitere Chancen auf Eckbälle und zweimal konnte der Torwart den Ball gerade nochmal von der Linie kratzen. Es sollte einfach nicht sein - Ende. Nach dem Spiel waren unsere Spieler fix und fertig und man konnte dieUnsicherheit bei ihnen erkennen, ob sie denn in der Fankurve willkommen wären. Waren sie aber und nach lautstarken Forderungen liessen sich sich dann auch zögerlich erweichen. Ja, sie hatten zwar ganz klar zwei Punkte verschenkt.

Aber es war ebenso ganz klar der Wille erkennbar gewesen. Und für die Ereignisse, auf welche der Gegentreffer hin fiel konnten sie nun wirklich nix. Und wenn man denn zürnen wollte, dann höchstens wegen der mangelnden Chancenauswertung. Aber die sollte sich doch mit steigendem Selbsbewusstsein verbessern. Und wenn heute eines wiedererlangt wurde, dann sollte es doch wohl das Selbstbewusstsein sein. Hoffentlich vergessen sie das nicht mitzunehmen, wenn es nächste Woche zu den Preussen geht.

wrwG
GordoniX





Der statistische Teil:



BFC Dynamo
Nico Thomaschewski, Robert Rudwaleit, Jörn Lenz, Eric Palmer, Patrick Boese (25. Jens Manteufel), Manuel Benthin (81. Jan Lorenz), Alexander Jakowitz, Aleksandar Marjanovic, Jeff Kayser, Tomasz Suwary, Mich l Jahn (56. Andreas Fricke)

SV Yesilyurt
Hakan Baran, Martino Gatti, Daniel Gottlieb, Ferdi Görgen (63. Aziz Bozkurt), Cetin Aydin, Süleyman Gözübüyük, Almedin Civa Kadir Yilmaz, Birkan Yilmaz, Cenk Karakaya (62. Fatih Yigitusagi - 78. Todor Samardzic), Muharrem Uz

Tore:
1:0 Tomasz Suwary (26.), 1:1 Birkan Yilmaz (77.)

Zuschauer:
412 im Jahnsportpark

Schiedsricher:
Michael Geiler (Langenwetzendorf)

Gelbe Karten:
Aleksandar Marjanovic (1), Nico Thomaschewski (1), Eric Palmer (2.), Michl Jahn (1), Alexander Jakowitz (5., gesperrt) / Martino Gatti, Ferdi Görgen, Birkan Yilmaz, Kadir Yilmaz

Gelb/Rote Karte:
Muharrem Uz (71.)