Spielbericht
Türkiyemspor Berlin - BFC Dynamo
22.10.2006
Auch dieses Jahr wieder lud der Kreuzberger Kiezverein mit Migrations-
hintergrund zum beliebten Stadtderby gegen den Zuschauergaranten
aus dem Osten ein. Ein Heergrünbewandeter Staatsdiener liess
sich diese Gelegenheit zur Präsentation geballter Obsorgepflicht
natürlich nicht entgehen, die medialen Scharfschützen luden
ihre optoelektro- n ischen Hochpräzisionsgeräte zum Showdown
der Sensationen. Sportlich konnte es nach dem desaströsen Auftritt
gegen die Hansa Reserve eigentlich nur aufwärts gehen, ganz
Kühne wollten sogar an eine Trendwende glauben.
Das Wetter meinte es gut mit den ca. 300 BFCern, das Spielgrün
liess zudem heimische Gefühle aufkommen. Erinnerte es doch an
die Flora des Sportforums nach der letzten Eiszeit. Lediglich das
kulturelle Rahmenprogramm liess sehr zu wünschen übrig,
das Geflöte und Gequitsche hätte auch Tote zum Leben erwecken
können. In gleichem Zustand wie der Rasen präsentierte
sich leider unsere Mannschaft über weite Teile der ersten Hälfte.
Verunsichert bis unter die Haarspitzen wollten nicht einmal die einfachsten
Sachen gelingen. Ein Zuspiel von Motche landete fast beim falschen
Adressaten und erst im letzten Einsatz konnte die Situation bereinigt
werden. So ging es munter weiter und so fiel folgerichtig das Gegentor
aus einer eigentlich schon bereinigten Situation heraus. Jarling
sah indiesem Zweikampf wahrlich nicht glücklich aus, trotzdem
hätte der unmittelbar daneben stehende Linienrichter durchaus
auch ein Stürmerfoul anzeigen können.
Tat er aber nicht und so konnte einer der zwei einschussbereiten
Tuerkiyemspor-Spieler nach Querpass problemlos einschieben (1:0,
15.min). Danach war für eine Weile Konfusion in der Hintermann-
schaft angesagt, so dass nur drei Minuten später Rudwaleit einen
Ball von der Linie kratzen musste. Danach die Gastgeber weiter mit Übergewicht,
jedoch nun glücklicherweise ohne sich weitere Chancen erspielen
zu können. Trotzdem hielt man immer wieder den Atem an, wenn
wieder einmal ein Ball im Mittelfeld vertändelt wurde. Unsere
beiden Spitzen waren zu diesem Zeitpunkt völlig abgemeldet,
sie hingen meist 15 bis 20 Meter vor den Mittelfeld in der Luft.
Erst unmittelbar vor der Pause ein Lebenzeichen unserer Mannschaft,
erst versuchte Fricke einen halben Fallrückzieher, dann konnte
ein Schuss von Jacko auf der Linie geklärt werden. Trotzdem
wieder die bessere Chance für die Gastgeber - Motche hält
kurz vor der Pause mit einer Glanzparade. Unsere weitgereisten Fans
waren bedient. Einziger Lichtblick schien zu dieser Phase die ansteigende
Aktivitätskurve unserer Jungs zu sein. Gott sein Dank brachte
unsere Mannschaft diesen Geist auch wieder aus der Kabine mit, so
dass nun unsere Weinroten mehr die Initiative übernahmen. Offensichtlich
war jedoch auch, dass die Kreuzberger dies auch so geschehen liessen.
Trotzdem standen sie hinten dicht und gut gestaffelt, so dass unsere
Jungs recht hilf- und einfallslos wirkten.
Schliesslich belebte ein Tuerkiyemspor-Spieler durch eine Dummheit
kurzzeitig das Spiel, nach Wegschlagen des Balls sah der Vorbelastete
Sünder die gelb-rote Karte (55.min). Dies mobilisierte wieder
den Angriffsgeist, jedoch war der Vorteil im Nu auch schon wieder
dahin, nachdem Jarling sich wieder eine seiner Unbeherrschtheiten
leistete. So kreuzte fernab des Geschehens ein gegnerischer Spieler
den Dunstkreis des Rabiators, welcher dieses Vergehen mit Ausfahren
des Ellenbogens bestraft haben soll. Leider entging dies nicht dem
Linienrichter, so dass sich Jarling als Wiederholungstäter wohl
für eine längere Zeit aus dem Kader verabschiedethaben
dürfte (Rot, 60.min). Es tut ihm wohl aber auch eine Denkpause
not, fällt er doch bei spielerisch eher mittelmässigen
Leistungen in dieser Saison vor allem durch solche Dummheiten auf.
Er ist momentan meilenweit von seiner ehemaligen Form entfernt und
wird wohl in Zukunft um seinen Stammplatz kämpfen müssen.Auf
die sich nun auftuende Lücke in der Innenverteidigung musste
reagiert werden, so dass der eigentlich zu den Aktivposten gehörende
Schmele seinen Platz für Mich l Jahn räumen musste. Die
durch die nötigen Umstellungen hervorgerufene Verwirrung nutzten
die Gastgeber jedoch postum zu einem Konter und Motche musste wieder
einmal Kopf und Kragen riskieren. Dann kam noch Lorenz für Manteufel
und unsere Mannschaft suchte weiter mehr glücklos nach dem Torerfolg.
Mit fortschreitender Spieldauer wurden die Mittel auch immer begrenzter,
es wurde nun zu offensichtlich versucht mit dem Kopf durch die Wand
zu rennen. Dadurchhäuften sich natürlich auch die Konterchancen
der Kreuzberger, welche diese jedochglücklicherweise nicht für
sich verwerten konnten. Wiederum dezimierten sich dann die Gastgeber
völlig
überflüssigerweise selbst - der Torschütze selbst
erhielt nach üblen Foul zehn Minuten vor Schluss zu Recht die
dunkelrote Karte (81.min).
Jedoch war unsere Mannschaft nun weder spielerisch, noch kämpferisch
mehr in der Lage diese Situation zu ihrem Gunsten zu nutzen. Ein
fünf Minuten vor Schluss gebrachter Steinich für Kayser
konnte daran dann auch nichts mehr ändern. So blieb es in einer
insgesamt mittelmässigen Partie bei der Niederlage. Ehrlicherweisemuss
man auch sagen, dass trotz des erkennbarem Willens und Einsatzes
wohlinsgesamt nicht mehr drin war - die eindeutigeren Chancen hatte
nun mal Tuerkiyemspor.Genau das ist aber auch das Bittere, verliert
man hier wieder einmal gegen einengleichfalls nicht überragenden
Gegner. Nach Spielschluss die wohl aufregenste Szene: Tumult und
Rudelbildung nachdem ein Tuerkiyemspor-Spieler einen unserer Jungs
geschlagen haben soll. Aufkeimende Dummheiten seitens einiger unserer "Freizeitsportler" wurden
jedoch von unseren Fans gleich im Keim erstickt, so dass die Medienvertreter
wohl heute ihre Objektive umsonst gebohnert haben dürften.
So blieb nur der Nachauseweg, welcher in trauter Zweisamkeit mit
unseren Staatsdienern lautstark angegangen wurde. Daran änderten
auch die paar vermummten Schattengestalten auf den Dächern nichts
mehr, welchenach ein paar Stein- undWasserbombenwürfen recht
schnell das Weite suchten. Bleibt zu hoffen, dass unser neuer Trainer
bis zum nächsten Wochenende die gröbstenSchwachstellen
abgestellt hat, so dass dann endlich mal wieder gepunktet werden
kann.
wrwG
GordoniX
Der statistische Teil:
Türkiyemspor Berlin:
Marc Stillenmunkes, Tomislav Zivic, Aleksander Pupovac, Bartosz Partyka, Tamer Keskin (88. Ahmet Öztürk), Fahti Aslan, Cihan Dogan, Hakan Cankaya (86. Mariusz Misiura), Maurice Jacobsen, Cihan Firat (66. Cemal Can), Stephan BoachieJan
BFC Dynamo:
Nico Thomaschewski, Robert Rudwaleit, Jörn Lenz, Falk Jarling, Manuel Benthin, Eric Palmer, Alexander Jakowitz, Jens Manteufel (70. Jan Lorenz), Daniel Schmele (64. Michl Jahn), Jeff Kayser (85. Sebastian Steinich), Andreas Fricke
Tore:
1:0 Fathi Aslan (15.)
Schiedsrichter:
Rene Rohde (Rostock)
Zuschauer:
557 (im Katzbachstadion - darunter 300 BFCer)
Gelbe Karten:
Cihan Dogan/Daniel Schmele (5. Karte im nächsten Spiel gesperrt), Alexander Jakowitz (4)
Gelb/Rote Karte:
Aleksander Pupovac (55.) Rote Karten: Fathi Aslan (81.) / Falk Jarling (61.)