Spielbericht
Torgelower SV Greif - BFC Dynamo
24.03.2007
„Der Weltraum, unendliche Weiten.
Wir befinden uns in einer fernen Gegenwart. Dies sind die Abenteuer
des neuen Raumschiffs „DynaPrise“,
das zehntausende
Lichtjahre von der Gesellschaft entfernt unterwegs ist, neue Lebensformen
und neue Zivilisationen heimzusuchen. Die
„DynaPrise“ dringt
dabei in Zauberwälder vor, die nie ein Mensch
zuvor gesehen
hat.“
(frei nach
Gene Roddeenberry)
Die Vorbereitung zur Auswärtsfahrt gestaltete sich ein wenig unkonform. Zur Debatte stand eine erneute Busfahrt, wie nach Neustrelitz, die Anreise per Zug, wie im Vorjahr, und ein nicht geringer Teil von uns zog lieber eine Odyssee zum Länderspiel der DFB-Mannschaft gegen die Tschechen in Prag.
Das Spiel in Prag gehört nun mal nicht zu meinen Prioritäten und Zug hatten wir letztes Jahr, so blieb noch der Bus. Wie immer ging es los. Sportforum, früh am Morgen, bepackt mit den üblichen Utensilien als Garant eines anstehenden feucht-fröhlichen Tages. Das Wetter tat sein übriges für gute Stimmung. Auf der Hinfahrt wurde viel gesungen, gelacht, getrunken, geraucht, gefrotzelt und nicht zuletzt sich auf das anstehende Spiel eingestimmt. So zog das Gefährt seine Kreise bis zur Raststätte Klockow/Ost. Als unsere gröhlende Meute den Bus verließ, taten dies in den folgenden 5 Minuten auch etliche PKW auf dem Parkplatz – Flucht!
Ein schniekes Auto allerdings kam kurz nach uns. Der Fahrer des Gefährtes, Kennzeichen „BS“, wurde mit: „Im Namen des BFC Dynamo heiße ich sie auf der Raststätte Klockow/Ost recht herzlich willkommen!“ begrüßt, die Antwort: „Das ist aber liebreizend von ihnen.“. Der Herr, mit langem schwarzen Ledermantel behaftet, freute sich sichtlich. Und wir uns auch. Die Matrix eben...
Es ging weiter, wir beschimpften noch kurz diverses auf den Weiden weidendes Großvieh mit „Bullenschweine!“, aber den Kühen war´s völlig schnurzpiepe. So erreichte wir in strahlendem Sonnenschein das Torgelower „Spartakusstadion“. Da wir noch über eine Stunde Zeit hatten, wollten wir noch in der dem Stadion zugehörigen Restauration gepflegt speisen, aber wie es in der Pampa so ist, die Marktwirtschaft hat noch nicht Einzug gehalten. Alles zu, so´n Käse. Also beschäftigten wir uns mit Mutter Natur, der Sonne, uns selbst und einem Skandal, den die Torgelower Gastgeber über sich selbst gebracht hatten.
Das BFC-Urgestein Uschi, jeder kennt ihn, wer nicht: der Mann mit der Zigarre, hatte sich eine Eintrittskarte gekauft und das Stadion betreten, Skandal! Er besuchte einen Imbiss, Skandal! Dann ging er, um unsere Mannschaft vor der Umkleidekabine zu begrüßen, Skandal! Plötzlich wurde er durch eine Gruppe Torgelower Bauernordner von hinten massiv angegriffen, gestoßen, geschubst und geschlagen. Ein Freund von Uschi musste sogar stationär behandelt werden. Uschi wurde des Stadions verwiesen. Zuvor wurde zur Klärung des Sachverhaltes auch noch der Torgelower Fantyp geholt, der mit der Situation so überfordert war, daß ihm nur einfiel, den beiden, Uschi und Anhang, Stadionverbot zu erteilen. Was für krankes Volk... Aber wir wären nicht der BFC, würden wir diese Sache so stehen lassen. Wir halten zusammen, in allen Lebenslagen. Die Situation wurde durch den Einsatz etlicher BFC-er und mit Hilfe der Polizei (!!!) geklärt. Uschi durfte das Stadion wieder betreten und es wurde Anzeige gegen die Prügelordner erstattet. Eine offizielle Entschuldigung aus Torgelow steht noch aus. Nachdem sich die Wogen halbwegs geglättet hatten, konnten wir uns den kulinarischen Köstlichkeiten im Stadion zuwenden.
Ganz besonders lecker war das „Stek“ (STadtEntwicklungsKonzept?). So was hatte keiner von uns vorher je gegessen bzw. gelesen. Es schmeckte ein wenig nach Steak, hatte auch verdammte visuelle Ähnlichkeit damit. Es rückte der Anpfiff näher. Wir hatten uns eine zünftige Begrüßung für unseren Trainer einfallen lassen. Es wurden im Block Bilder verteilt, die unseren Trainer Volkan Uluc in seiner Funktion als Wissenschaftsoffizier des Raumschiffs „DynaPrise“ darstellten. Dazu gab es noch verbale Unterstützung: „Wir haben ´nen Volkanier, Uluc wunderbar!“ oder „Wir sind Volkanier und ihr nicht!“ in Richtung der Torgelower Dorfgemeinschaft. Der Trainer hat sich auf jeden Fall gefreut. Es begann das Spiel. Der BFC ging gleich mit Vollgas in die Begegnung. Nur kam ganz schnell das Gefühl auf, daß Vollgas allein nicht reichen würde. Gleich von Anfang an gab es unheimlich viele Ballverluste, Fehlpässe und überhastete Aktionen. Es kam kein Spielfluß auf. Und es ragte diesmal kein Spieler positiv heraus. Torgelow schien gefälliger zu spielen.
Diese Einschätzung sollte sich in der 23. Minute bestätigen, erzielte doch der TSV Greif nach einer Ecke das 1:0. Mir erschien dieser Spielstand durchaus gerechtfertigt, spielten doch die Torgelower mehr in unserer Hälfte, als wir in ihrer. Kurz vor der Halbzeit sah es so aus, als würden sich unsere Jungs noch mal bemühen, den Ausgleich zu machen. Wie gesagt, es sah so aus. Im zweiten Durchgang verflachte das Spiel zusehends. Beim BFC lief so gar nichts mehr zusammen, bei Torgelow nicht viel mehr. Es gipfelt in der 71. Minute in einer gelb-roten Karte für die Greifen. Der Spieler Mahnke fiel im Strafraum über Motches Arme. Da er schon gelb hatte, flog er wegen bewiesener Majestätsbeleidigung in Schwalbenform vom Platz. Ein Elfer wäre aber auch gerecht gewesen, mutige Entscheidung vom SchiRi. Im Anschluß passierte nicht mehr viel. Wir sahen übliche letzte 10 Minuten, der BFC machte Druck. Dies aber eher plan- und hirnlos und somit auch nicht vom Erfolg belohnt. Ein Remis hätten wir ausschließlich als pures Glück empfunden. So blieb es also beim 1:0. Die Stimmung im Block war schwankend. Zu Beginn der Partie laut und kreativ, zwischenzeitlich langatmige Pausen. Es fällt eben schwer, die Mannschaft nach vorne zu peitschen und nichts dafür zurück zu bekommen.
Da leidet die Motivation nachhaltig. Nach dem Abpfiff tingelten wir zum Bus. Es wurde noch gemeinschaftlich Kuchen schnabuliert, ein dank an unsere Fanmutti, die trotz eigener Abwesenheit unsere hungrigen Mägen nicht vergessen hatte! Nach dem Aufsitzen herrschte erst mal ein paar Minuten betretenes Schweigen, um dann in beinah orgiastischen Sing- und Lachanfällen zu gipfeln. Einige Reisende waren dem Zauberwald so nahe, daß sie nicht mal mehr lallen konnten. Einer tat sich besonders hervor. Mehrfach kuschelte er sich die Bustreppe runter, mehrfach begann er Lieder mitzusingen, um nach 2-3 Worten schwankend und vor sich hinglotzend in Autismus zu verfallen. Unser Bus-Kapo war geboren. Wir hätten alles singen könne, er hätte eingestimmt. So war´s dann auch. Tja, wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen! Wat ham wir jelacht! Wir waren pünktlich in Berlin, der Bus wurde zur Zufriedenheit und ohne Schäden übergeben. Trotz der Niederlage und den negativen Begleiterscheinungen war es ein sehr erinnerungswürdiger Tag. Torgelow hat sich allerdings aus meiner ganz persönlichen Liga der sympathischen Gegner verabschiedet und das für immer.
Demgegenüber steht das Verhalten der Polente. War diesmal wirklich angenehm und den jeweiligen Situationen angemessen. Muss ja auch mal gesagt werden.
Gerade piepst mich mein Kommunikator an. Spock sendet Grüße und sagt: „Live long and prosper, BFC!!!“ =/\=
In diesem Sinne
weinrotweiße Grüße
Janusz