Spielbericht
Germania Schöneiche - BFC Dynamo
12.05.2007
Der BFC im Speckgürtel
Nach den drei souverän errungenen Siegen in Serie mit 13:3 Toren musste der BFC also an diesem Wochenende nach Schöneiche tingeln. Germania Schöneiche fiel in dieser Saison besonders durch torarme Partien, welche in aller Regel remis endeten, und eine starke Abwehr auf. 13 Unentschieden bei einem Torverhältnis von 14:19 sprechen da nach 26 Spieltagen Bände. So trafen wir uns zum zünftig-leckeren Frühstück bei Schrippe, Hack und Gerstensaft. Das Wetter in der Stadt lud nun um die Mittagszeit nicht gerade zum Freiluft-fußi-gucken ein, aber wir sind ja hart im Nehmen. Im strömenden Dauerregen machten wir uns also auf den Weg.
Während die S-Bahn uns so langsam nach „jwd“ (sprich: Jott-Weh-Deh) kutschierte, riss der Himmel auf und es wurde hell. So sollte es im Großen und ganzen auch bleiben. Tja, wenn Engel reisen! In Friedrichshagen, soll wohl rein rechtlich noch zu Berlin gehören, stiegen wir aus und suchten die Straßenbahn, welche in uns schon so was wie Vorfreude aufkommen ließ. Vorfreude auf eine Reise in die Berliner Verkehrsgeschichte. Und da stand sie, die alte Huddel. Baujahr bestimmt nicht nach 1965, aber liebevoll hergerichtet. Früher, vor 25 Jahren, fuhr ich mit solch einem Modell die Dimitroffstraße entlang zur Schule. Sofort enterten wir mit großem Hallo das Gefährt. Drinnen dann die ersten, gewichtigen Erkenntnisse. Wir sind alle gewachsen! Denn so klein, daß man sich bei lichter Höhe von 190 Zentimetern fast den Kopf stößt, hatten wir die Bahn nicht mehr in Erinnerung. Und schmal ist das Teil.
Eben ein Kleinod. So zuckelten wir gen Schöneiche. Was für ein Fahrgefühl! Und es sollte im Laufe des Ausfluges noch besser kommen. In Schöneiche stiegen wir aus und machten uns per Pedes auf den Weg zum Sportplatz der Germania. Nur gut, daß es in den letzten Tagen viel regnete, so fielen die überproportional auftretenden Grünfreaks nicht so sehr auf. Inzwischen brannte die Sonne auf unsere Ommen, damit war nun 2 Stunden zuvor gar nicht zu rechnen. Tja, wenn Engel reisen! Wir betraten den Sportplatz. Umgehend fiel uns auf, daß heute nur mit geschätzten 50 Gästefans gerechnet wurde, welche aber schon doppelt vorhanden waren, als wir eintrafen. Ein Dixi-Klo, samt Waschbecken, Heizung und Seife sowie ein Getränkestand und ein Grill.
Dies war der fette Minuspunkt für die Gastgeber und somit kein Pluspunkt in deren Vereinskasse, Pech gehabt! Inzwischen füllte sich der Platz, das ganze Dorf schien heute auf den Beinen zu sein. Knapp 1000 Zuschauer wollten den Ruhmreichen BFC bewundern. Wir fieberten dem Anpfiff entgegen.
Das Spiel ging mal gleich ordentlich los. Eine gewisse, unterschwellige Aggressivität war auf dem Platz bemerkbar. Dies äußerte sich mit 4 gelben Karten nach nur 5 Minuten. Schiedlich, nicht friedlich, zwei für Schöneiche, zwei für uns. Besonders die Gelbe für den Schöneicher Jörg Schwanke empfand ich als pädagogisch überaus wertvoll. Er fiel uns vor allem durch permanentes Rumgeseier auf, dem Schiri eben auch.
Und danach war eigentlich Ruhe im Karton und die Herren auf dem Spielfeld besannen sich auf den Fußball. Der Rest der ersten Hälfte hielt das, was alle befürchteten. Die Abwehr der Germania stand sattelfest, unsere Angriffsbemühungen wurden spätestens vor dem Strafraum vereitelt. Aber es war keine langweilige Halbzeit. Unsere Mannen probierten es aus fast allen Lagen, schöne Fernschüsse, die nur knapp das Tor verfehlten und eine herrliche Standartvariante, bei welcher Eric Palmers Flugkopfball (40.Minute) ein Tor verdient hätte, ließen die ersten 45 Minuten im Flug vergehen. Komisch wurde es nur, wenn Schöneiche aus der Abwehr heraus zu Kontern ansetzte, diese waren immer gefährlich. Aber, wie schon in den letzten Spielen, unsere Abwehr stand. Apropos Abwehr.
Diese stand ohne unseren Lenzer sattelfest bis zu diesem Zeitpunkt. Lenzer machte einen auf hängende Spitze und das sehr großartig. Er sorgte für viel Unruhe beim Gegner, welcher wohl mit dieser taktischen Finesse nicht gerechnet hatte. Nun sprossen die Interpretationen. Die schlüssigste war die, daß Lenzer ja wohl höchstwahrscheinlich die Töppen an den Nagel hängen wird und jetzt schon eine neue Abwehrformation sich einzuspielen gedenkt (Pocke, Eric Palmer, Robert und Nico Paepke). Tja, nüscht Jenauet weeß man nich. In der Halbzeit begann das hauen und Stechen um den besten Platz am Imbisswagen, wie weiland der Kampf ums Begrüßungsgeld... Des Weiteren wurde ein lustiger Ordner als Opfer erkoren. Schmaler, ovaler Kopf und dann eine überdimensionierte Sonnenbrille. In meinem Dunstkreis hieß es nur: „Kiek mal, Puck die Fliege!“ War nicht sonderlich lustig.
Dann aber vor uns der Spruch: „Ey, Porno-Atze!“ Der dazugehörige 4 bis 5-jährige Steppke guckte Papa groß an und fragt: „Du Papa, wat iss´n Atze?“ Lustig. Danke, kleiner Mann! Die zweite Hälfte konnte beginnen. Und sie begann furios. Beide Teams rannten das Tor des Gegners an. In der 59. Minute dann gab es vor unserem Kasten ein einziges Tohuwabohu, welches im 1:0 für Germania Schöneiche gipfelte. Ich hab’s nicht wirklich gesehen, aber es soll ein Fehler von Robert „Pocke“ Pocrnic vorausgegangen sein. Wie auch immer, wir lagen zurück. Und unser Team machte wieder mehr Druck. Angriff auf Angriff rollte.
Sehr zum Leidwesen von Christian Ritter, welcher am heutigen Tag keinen richtigen Draht zum Spiel fand. Dies kulminierte in der 69. Minute in eine gelb-rote Karte gegen ihn. Unser Ritterchen war wirklich frustriert und senste den ehemaligen BFC-er Norman „Diego“ Janke an der Grundlinie um. Eigentlich der einzige Kritikpunkt, in solchen Situationen sollte Christian einen kühlen Kopf bewahren.
Die Unterzahl schien unsere Mannen aber eher zu beflügeln. Die Schöneicher wurden mehr und mehr in die eigene Hälfte gedrängt und zu individuellen Fehlern gezwungen. In der 83. Minute nahm der Schöneicher Torwart einen Rückpaß mit den Händen auf, indirekter Freistoß für den BFC. Die Mauer stand fast auf der Torlinie. Unser Lenzer nahm Anlauf, holte zu seinem gefürchteten Hammer aus und tat nichts. Im selben Augenblick rannten schon etliche Germanen auf den Ball zu. Lenzer, ganz schlau und durchtrieben, beschwerte sich beim Referee, nicht ohne die Situation weiter im Auge zu behalten. Der Ball war ja noch freigegeben, nur dürfen die Schöneicher nicht einfach losrennen. Lenzer hatte es irgendwie geschafft, den Gegner komplett zu verwirren.
Dies führte dazu, daß alle Gegner wieder gemächlich zu ihrer Mauer schritten, um diese zu verstärken. Nur wurden sie auf ihrem Weg dahin vom Ball überholt, welcher von Dennis Kutrieb geschickt wurde. 1:1 durch Verarsche. Durch Verhohnepiepelung. Den Germanen einen Bären aufgebunden, ins Boxhorn gejagt. Der Jubel danach bestätigte nur unsere Beobachtung. Vorbereiter und Torschütze fielen sich in die Arme und ließen sich feiern. Dennis und Lenzer haben mit großer Sicherheit vorher genau diesen Plan ausgeheckt. Und es hat geklappt. Die letzten Minuten regnete es mal kurz, mehr war nicht los. Mit dem Remis können beide Teams gut leben. Gut gestimmt machten wir uns auf den Weg zurück in die Stadt. Und wieder wartete die Straßenbahn. Nur hielt dies einen weiteren Knaller für uns bereit. Wir saßen so an der Haltestelle, da wurde extra für uns ein Sonderzug eingesetzt. Und wieder wurde den Älteren unter uns warm ums Herz. Diesmal durften wir eine alte, nicht modernisierte Tatra-Bahn nutzen. Die Sitze waren noch auf den guten, alten Stahlrohrkonstruktionen montiert. Dann ließ sich der Fahrer sehen.
Ein Unikum. Wer kennt es nicht, das Foto des Aborigini, welcher seine Unterlippe bis zu den Augenlidern stülpen kann. Der Straßenbahnfahrer muss ein naher Verwandter sein. Dann sollten sich die Türen schließen. Wer eine moderne Melodei als Warnton erwartete sah sich enttäuscht. Wir vernahmen das längst vergessen geglaubte, blecherne „Rrrrrrrring“. Herrlich. Zu allem Überfluß wurde es auch noch warm und schwül in der Bahn. Wie gehen nun die Fenster auf? Wir entsannen uns unserer kindlichen Erfahrungswerte. Damals konnten die Fenster nur mit vereinten Kräften unter Gewährleistung eines gewissen Aufprallwinkels aufgeschoben werden. Und es klappte. Zu guter allerletzt rumpelten wir los, wie früher. Es quietschte, klapperte und schüttelte uns an jeder Kurve.
So kamen wir alle unversehrt und an aufgefrischten Erinnerungen reicher wieder nach Hause. Durch den jetzt offiziellen Rückzug des FC Schönberg aus der Oberliga brauchen wir aus den 3 ausstehenden Partien nur noch einen Punkt, um definitiv gerettet zu sein. Die sollte jetzt gegen Ludwigsfelde, Eberswalde oder auch Babelsberg locker zu machen sein.
In diesem Sinne
Wrw
JanuszGG
P.S.: Wat is nu eigentlich „Atze“???