Spielbericht

TSG Neustrelitz - BFC Dynamo

25.02.2007


...fahrn wa auswärts mipm BUS!

Endlich, endlich sollte am Sonntag, den 25. Februar diese vermaledeite Winterpause ein Ende finden. Die letzten Wochen wären geschwängert von der Erfahrung des letzten Jahres, als die Pause sich um 2 Monate verlängerte. Aber nichts da im Jahre 2007. Danke, Klimawandel! So traf sich also ein beachtlicher Mob BFC-isten in aller Frühe auf dem Parkplatz vor der Dynamohalle. Durchweg freute sich die Meute auf die bevorstehende Auswärtsfahrt ins beschauliche Neustrelitz. Ich für meinen Teil war, wie immer, krankhaft zuversichtlich. Sah ich doch in Gedanken unseren BFC die Strelitzer mit 4:0 aus dem Stadion fegen.

Ich wurde aber schnell eingegrenzt, die Mehrheit ging davon aus, daß wir mit einem Remis durchaus zufrieden seien dürften. Pünktlich um 10 erschienen unsere 3 Busse, silbrig glänzend, fast schon extravagant. Rainer teilte gleich mal alles ein. So verteilten wir uns, nicht ohne vorher die Busse zu schmücken. Jeder Silberling erhielt 2 wunderschöne Plakate, welche uns ("BFC - Wir sind wenige, aber GEIL!") und unseren Oscar-Favoriten Micha S. lobpriesen. Wunderbar war dann auch gleich die offensichtliche Einteilung der Busbesetzungen. Im ersten Bus machten es sich die "Alten" bequem, allen voran die 79-er. Ehre, wem Ehre gebührt. Den Bus Nummer 2 bekamen wir, jünger als die Alten, aber alt genug, um nicht mehr Nachwuchs zu sein. Einige Methusalems versauten allerdings den Schnitt nach oben...Und das Ende des Korsos bildete die Jüngsten unter uns, allerdings nicht so jung, um nicht den bekannten Stimmungs- und Wahrnehmungsver- schönerern frönen zu dürfen.

Und davon war, wie nicht anders zu erwarten, in allen Bussen reichlich vorhanden. Als sich der Tross in Bewegung setzte, war die Vor- freude schier unglaublich. Die äußerte sich in unserem Bus darin, daß schon vor der Berliner Stadtgrenze eine 1-Liter-Öke Wilthener Goldkrone (bäh!) ihr Leben ließ. Ich nenne jetzt bewusst Namen. Tilla. Banane. Honda. Im Zuge dieser und anderer Vernichtungsmaßnahmen stieg der Pegel und sank das Niveau. Ham wir jelacht!!! Ein Dank auf diesem Weg an die neu ernannte Fan-Mutti, eine der wenigen Anwesenden der holden Weiblichkeit. Sie hatte an alles gedacht: Kuchen, Bouletten, belegte Stullen und damit es so richtig kracht noch Baileys, Eiswürfel und Glas. Na wenn Etepetete, dann richtig. Kurz hinter Oranienburg legten wir eine Raucherpause ein. Irgendwo in der Walachei, zwischen Wiesen, Feldern und einem geschlossenen Imbiss. Nach zirka 10 Minuten Aufenthalt peeste ein kleines blaues Auto heran, aus stieg ein klassischer Genossenschaftsbauer: Strickpulli, Käfer/Wisent/Boxer-Jeans und Gummistiefel. Es war der Imbissbesitzer.

Unsere Freude schlug in Unverständnis um, als er nur kurz guckte, sich wieder in sein Auto setzte und fort fuhr. Auch das klärte sich recht komödiantisch. Er holte mal eben an der Tanke noch Bier und Weinbrand (bäh!). So wurde also gewartet. In dieser Zeit untersuchten wir die nähere Umgebung des Etablissements. Hinten am Imbiss war eine geräumige Vogelvoliere angebaut, bevölkert von gefühlten 500 Millionen Nymphensittichen. Und diese ließen uns unseren Micha S. vergessen, kurzzeitig. Das derbste Pärchen der Vogelschar lieferte uns eine einzigartige, vogelspezifische Peepshow. Umgehend wurden spontane Loblieder auf die Vögelnden gesungen, wahre Moritaten auf dieses Naturschauspiel. Ob es irgendjemanden anderweitig berührte, ist nicht überliefert. Kurz darauf erschien erneut der Imbisspächter, seine kleine Schüssel randvoll mit Bierkästen, diese wurde er noch schnell reißend los, anschließend hieß es "Aufsitzen!"um den Rest der strecke nach Neustrelitz runterzureißen. Dort kamen wir dann gegen 13 Uhr an, also rein ins Kleinod namens Stadion. Wir vertrödelten so bis zum Anpfiff die Zeit. Als die Teams einliefen, begann eine herrliche Perfor-mance in unserem Block.

Eingerahmt von riesigen weinrot-weißen Fahnen wurden von zirka 50 Fans die schon erwähnten Lobpreisungs-Poster hoch- gehalten. Überhaupt war dieser Auswärtssupport klasse. Es waren geschätzte 500 BFC-er vor Ort und machten gleich gehörigen, lautstarken Rabatz. Bleibt zu hoffen, daß wir alle bei unseren Heimspielen wieder sehen!!! Dann begann das Spiel. Und gleich von der ersten Minute an merkten wir, daß unser BFC etwas vor hatte. Unser Team übernahm sofort das Zepter des Handelns. Die TSG war in der gesamten ersten Halbzeit nur mit reagieren und nicht mit agieren beschäftigt. Drei große Chancen sind mir in Erinnerung geblieben, vor allem jene vom Lenzer nach einer halben Stunde. Freistoß aus weiter Ferne, Lenzer zieht ab, der Ball wie ein Strich Richtung Tor. Irgend- wie haben alle den schon drin gesehen.

Dummerweise bekam der Neustrelitzer Torwart seine garstigen Finger an den Ball und lenkte diesen zur Ecke. Grundsätzlich hätte unsere Mannschaft mehr aus den sich bietenden Räumen und Gelegenheiten machen müssen. So ging es mit einem, für die TSG Neustrelitz, schmeichelhaften 0:0 in die Pause. Nach der Halbzeit änderte sich der Eindruck zunehmend. Mit fortschreitender Spieldauer gaben unsere Mannen mehr und mehr die Spielhoheit her. Es wurde eigentlich nur noch im Mittelfeld rumgewurschtelt, unser Christian Ritter wurde mehrfach gut angespielt, fiel aber auch sehr oft. Dabei wirkte der Schiedsrichter oft nicht wirklich souverän, wenn seine Entscheidungen auch nicht grundsätzlich zu kritisieren sind. Stichwort Christian Ritter: Er bemühte sich sichtlich, wirkte aber in etlichen Situationen allein gelassen. So unter dem Motto: Ball nach vorne, da wuselt ja der Ritter. Auf jeden Fall stellt er eine wahnsinnige Verstärkung im Sturm dar, permanent in Bewegung, schnell, trickreich. Nun noch etwas Glück und ein paar Tore. Ich bin sicher, er wird uns noch sehr viel Freude bereiten. Zurück zum Spiel. Nach etwa einer Stunde verirrten sich die Neustrelitzer Spieler in unsere Hälfte, was dazu führte, daß unser ehemaliger Spieler Denis Koslow, man ist der dick geworden!, zum 1:0 einschob. Unverdient, was die Spielanteile betrifft, verdient in Bezug auf den Spielverlauf.

Aber kein schlechtes Gefühl, keine miesen Vorahnungen stellten sich bei uns ein. Den meisten unter uns war klar, daß da noch was geht. Ein Angriff nach dem anderen rollte jetzt Richtung TSG-Tor. Zehn Minuten nach dem Rückstand fasste sich der eingewechselte Nico Paepke ein Herz und zog einfach mal ab. Der Schuss ähnelte dem vom Lenzer, nur daß er diesmal unhaltbar im oberen Eck einschlug. Daß noch ein Neustrelitzer Scheitel den Ball berührte, sollte erwähnt werden. Dieses Tor war wie eine Befreiung für alle. Die letzten 20 Minuten wurden komplett durchge- sungen. Kurz vor Schluss hatte Sofiane Benbrahim noch eine 100%-ige auf dem Fuß, semmelte aber leider rüber. Schade. So blieb es am Ende nur bei einem 1:1. Stichwort Sofiane Benbrahim: Er wirkte durchweg souverän in seiner Abwehrleistung. Mehrfach erwischte ich mich, wie ich mir schon die Augen zuhalten wollte, da Sofiane den Ball hatte und von hinten ein Gegner kam. Der übliche Angst-Reflex. Umso erstaunter war ich dann ebenso mehrfach, daß er all diese Situationen mit schöner Regelmäßigkeit abgebrüht für sich entschied. Eine echte Verstärkung in der Hinter- mannschaft, meine Einschätzung. Von den anderen "Neuen" fiel mir Robert Kovacic nicht wirklich auf, Davor Krznaric dagegen vor allem in der ersten viertel Stunde der ersten Hälfte, danach schien er untergegangen zu sein.

Alles in allem eine ansprechende Leistung unserer Mannschaft, deutlich besser als in der Hinrunde. Das Team hat gezeigt, daß es einem Spiel ohne wenn und aber den weinrot-weißen Stempel auf- drücken kann. Es hat gezeigt, daß noch viel Kampf- geist in ihm steckt. Und genau dies ist das Entschei- dende im Abstiegskampf, das ist es, was wir brauchen! Was wir nicht benötigen, sind die ewigen Hirnis, die es sich nicht nehmen lassen konnten, die Bauernkinder aus Neustrelitz in unterirdisch-peinlicher Art und Weise vollzupöbeln. Als sie begriffen, daß der Zaun ihrem Gedöns standhält, fingen besagte Hirnis an, sich selbst vollzu- motzen. Tja, nicht überall, wo BFC drauf steht, ist auch wirklich BFC drin! Die Rückfahrt wurde dann im geräumigen First-Class-Bus zum schlafen genutzt, zumindest die erste halbe Stunde. Unser vorheriges, stundenlanges Konsumverhalten forderte dann doch Tribut.

In der letzten Stunde wurde in unserem Bus gesungen, gesungen, gesungen. Alte und neue BFC- Weisen, Schlager und längst verloren geglaubte Standard- lieder der untergegangenen Arbeiter- & Bauernmacht wurden zum Besten gegeben. Mehrfach wurde noch unser Busfahrer Udo gefeiert, zum Abschluss erhielt er noch das vorher eingesammelte Bakschisch. War durch und durch ein richtig geiler Tag!

wrw Grüße
JanuszGG


Klick wert