Spielbericht

BFC Dynamo - TSG Neustrelitz

11.08.2006


Nun stand also das erste Heimspiel der Saison auf dem Plan. Und was für eine Kracheransetzung.Gleich gegen den Tabellenführer!!!Die weiteren Vorzeichen ließen alle geneigten BFC-er etwas unsicher den Weg in den altehrwürdigen Jahnsportpark im altehrwürdigen Prenzlauer Berg finden. Viel Unruhe im Verein, ein total vergeigtes Auftaktspiel beim Aufsteiger, eben erwähnter Zwangsumzug ins Cantianstadion mit einhergehenden Eintrittspreisen von 10 Euronen pro Nase und die allgemeine Unsicherheit, was die Zukunft bringen wird. In alter, schöner Tradition wollten wir vor dem Spiel in der Altberliner Kneipe "Zum Schusterjungen" Lychener Ecke Dimitroff "äh- Danziger Straße ein Pils schlürfen und ein Eisbein verdrücken.

Nur leider waren die Tore verschlossen, dem Betreiber war es wichtig, zu erklären, daß heute eine geschlossene Veranstaltung sei. Aber eben scheinbar nur für weinrot-weiß geschmückte Elitetruppen, jedem anderen wurden die Rollläden, wie von Zauberhand, geöffnet. Nun ja, fürs nächste Mal auch kein Problem, der Prenzlauer Berg bietet etliche Alternativen. Nur schade, daß somit eine Tradition, die im Arbeiter "und Bauernstaat seinen Anfang nahm, nun so dilletantisch zerstört wurde. Nach kurzem Beschimpfen und einer Zigarettenlangen Sitzblockade machten wir uns auf den Weg. Schon dieser kurze Weg bestand einzig in der Diskussion über die angekündigten Eintrittspreise. 10 Euro sind für ein Oberligapunktspiel nicht eben leicht zu verstehen. Aber als in langen Jahren gestählte Fußballmasochisten gaben wir auch dieses Hemd unserem BFC. Die 5 Fans, welche bei der visuellen Realisierung der 10 stehenden Fußes den Heimweg antraten, sind aber auch durchaus zu verstehen. Und ich bin sicher, die Fünfe waren nicht die Einzigen...

Nach den üblichen Kontrollen durften wir also das Stadion betreten. Irgendwie gestaltete sich unser Aufgalopp sehr ungewohnt. Bei allen war zu spüren, daß die neue-alte Fußi-Location noch eine Menge von uns Fans abverlangen wird. Die ersten 10 Minuten bestanden aus ziellosem Rumlatschen, um den idealen Platz zu finden. Den hatten wir dann, um nach 2 Minuten Unbehagen einen anderen zu suchen. Der dann gefundene Sitzplatz (Pfui!, denn Sitzen is fürn Arsch!) gefiel uns auch nicht, der dritte war dann chic und für das folgende Spiel okkupiert. Und dieses Erlebnis hatten wohl mindestens 50%. Es entstand bis zum Anpfiff ein stetes Gehüpfe und Geklettere über die Sitzreihen, permanent kamen einem Leute entgegen, die kurz danach an völlig anderer Stelle wieder auftauchten. Aber diese Situation hat auch durchaus etwas Positives, besteht doch jetzt die Chance, die bunte Fangemeinde unseres BFC einmal geschlossenauch bei Heimspielen erleben zu dürfen. Kurz vorm Anpfiff motivierten wir erstmal die 1007 zahlenden Zuschauer, sich klar gegen die "Rasta-Fari"-gefärbten Sitzplatzreihen zu positionieren ("Wer nicht steht, der ist...!"), was auch gelang, allerdings nur kurz.

Der Mann in Gelb pfiff dann pünktlich an. Irgendwie merkte man gleich, daß die Mannschaft gewillt war, das 2:4 von Schönberg vergessen zu lassen. Aber leider eben nur "gewillt"...Es kam nichts Zwingendes zu Stande, wir erarbeiteten uns zwar eine optische Überlegenheit, das war dann aber auch alles. Neustrelitz schien ganz klar auf ein Remis zu spielen, immer feste hinten drin stehen und auf Konter lauern. Und in dieser Spielweise des Gegners lag mal wieder die Krux bei unserem BFC. Es wirkt immer alles extrem behäbig. Oft war zu beobachten, daß die gesamte Hintermann- schaft der Neustrehlen um den Strafraum postiert war und unsere Jungs gerade mal am Mittelkreis herumstanden.

Und dort wurde augenscheinlich klar, was unserem Team noch fehlt, ein klassischer Spielmacher. "Im Mittelfeld zu viel Klein-Klein!" freut sich da das Phrasenschwein... Der Stimmung unterm Dach tat dies aber keinen Abbruch, es wurde gesungen, geklatscht, gepfiffen.Wie ich von diversen Leuten hörte, machte die Stimmung richtig was her, selbst am U-Bahnhof konnte das geschmetterte "DYNAMO" vernommen werden. Und da waren sie wieder die Erinnerungen an ruhmreiche Tage in der Historie unseres geliebten BFC Dynamo! Und wenn dann noch ALLE zusammenstehen und singen, hört meine Frau uns sogar im Thälmann-Park!!! Leider darf der einzige Wermutstropfen nicht unerwähnt bleiben. Es tauchten nach langer Abstinenz wieder diese homoerotischen SadoMaso-Laute auf, und das auch noch ausschließlich dann, wenn ein Spieler aus Neustrelitz am Ball war. Kann denn Liebe Sünde sein...???

In der Halbzeit wirkte ein Großteil der Besucher deutlich ernüchtert, ob der Vorstellungder Mannschaft. Einige hatten wohl erwartet und gehofft (mich eingeschlossen), daß ein Sturmlauf überdie TSG hereinbrechen wird. Aber es bestand ja noch Hoffnung für Hälfte 2.Kurzzeitig wehte ein Hauch von Kommerz durchs Stadionrund, es wurde ein DVD-Player verlost. Wie Hauche es so an sich haben, schnell war er verflogen. Es machten Sprüchedie Runde, daß für DEN Eintrittspreis ja nun auch gefälligst leicht bekleidete Cheerleader uns zu unterhalten haben. Aber damit wäre der Kommerz ja total ausgelebt und das wäre in unserer derzeitigen Situation nicht vermittelbar. Und wer will schon fremd-animierte Stimmung?

Nun gut, die zweite Hälfte begann, wie die erste endete. Eben grauselig. Etliche Fehlpässe, kein wirklich überzeugendes Aufbauspiel. Wenn unsere Jungs mal den Strafraum von Neustrelitz erreichten, liefen sie sich an der gut gestellten Abwehr fest. Kein Geistesblitz, keine Kreativität, kein so genannter "ödlicher Pass". Die daraus resultierenden Fernschüsse verfehlten das Tor, leider. So etwa Mitte der 2.Halbzeit machten die Mannen um Lenzer mehrDampf, es fühlte sich an, als hätten sie begriffen, worum es geht. Die späte; die Frage muß gestattet sein: Zu späte???; Einwechslung von Jeff Kayser brachte noch mal mächtig Schwung, an einer seiner wunderbaren Flanken sauste Daniel Schmele haarscharf vorbei. Das hättedas 1:0 sein müssen. Schade, denn beide Genannten hätten es 100%-ig verdient gehabt. Und wir ja nun sowieso.

Kurz vor Schluss dann irgendwie ausgleichende Gerechtigkeit. Bei einem Vorstoß der "Strehlen" kam der Ball irgendwie in unseren Strafraum, allgemeines Konzentrationsfiasko sorgte für eine brenzlige Situation vom Feinsten. Der Ball hüpfte und sprang herum, aber nicht berechenbar. Wirkte eher so, als hätten alle jetzt ?nen Football gewählt. Die Quintessenzder Situation: Robert will den Ball weg hauen, trifft (den Ball) und trifft erneut (das eigene Lattenkreuz). Na, mal mächtig Dusel gehabt. Darauf der Lacher auf den Traversen:"Der Lenzer hätt den rinjemacht!" Die Stimmung war trotz allem weiterhin prächtig, Singsang aller Couleur wurde zum Besten gegeben. Zu erwähnen hierbei der niedliche Versuch einer "Uffta", quittiert mit: "Wo ist denn der Klaasen hin?" und "Die Pionier-Uffta sie lebe Hoch! Hoch! Hoch!" Zwei Unentwegte bestiegen dann noch in scheinbarer Selbstüberschätzung den Zaun, wurden via Sprechgesang heruntergebeten und leisteten umgehend Folge. Fein gemacht, Bürger! Und dann sage noch einer, bei uns funktioniert die Selbstdisziplinierung nicht... Der Abpfiff kam dann pünktlich, viel nachzuspielen gab es eh nicht.

Vereinzelte Pfiffe, ob der Leistung der Mannschaft waren unüberhörbar. Schnell lehrte sich das Rund. Am Ausgang zur Gaudystraße musste die Abteilung Robocop dann noch mal pro forma einen unverhältnismäßigen Einsatz zum Besten geben, Kommentar unnötig.Wir begaben uns dann geschlossen zur Empor-Sportsbar zur abschließenden Spielbetrachtung. Die hübsche, "Körbe" verteilende Bedienung ("Ick kann nich, ick hab doch nen Mann."), hielt uns bei Laune, die Kollegen der EGH (?) schauten in vorbeifahrender Weise mehrfach mal rum und wurden dementsprechend begrüßt. Nach 2 Stunden Fachgesimpel, auf diesem Wege ein Dank an Daniel Schmele, der sich zu uns gesellte, machten wir uns nach Hause zu Frau, Kind, Hund und dergleichen mehr. Ein kurzes Fazit: Ein typisches Null-Null-Spiel. Neustrelitz wollte und der BFC konnte scheinbar nicht mehr. Die 10 Euronen Eintritt sind auf einer Seite zu überdenken, andererseits sollten sie es uns wert sein. Nur wenn es spielerisch so weiter geht, wird es unmöglich, die angepeilten 1000+ an Zuschauern zu erreichen.

Es gab etliche Stimmen, die diese Theorie bestätigten. Motsche hielt bei einigen hochklassigen Paraden den Punkt fest, das Mittelfeld fand größtenteils nicht statt, Lenzer bleibt noch aufgrund seiner Spielübersicht, Kampfkraft und Routine unersetzbar, Marjanne tauchte fast komplett ab, Robert wirkte ein, zwei mal recht unsicher und das Gros der selbsternannten Fußballexperten unter uns Fans (mich eingeschlossen) favorisieren Schmele und Kayser gemeinsam von Beginn an.Tja und der JSP? Wir werden damit leben, der Stimmung tut es nur gut. Es gilt nur noch, dies zu verfeinern, ALLE in ein, zwei Blöcke und wir werden richtigfurchteinflößend huh-huh-huh...! Schön, daß wieder Fußball ist! Lobpreisen wir unseren BFC jetzt erst recht!

Euch allen weinrot-weiße Grüße
JanuszGG




Der statistische Teil:



BFC Dynamo:
Nico Tomaschewski, Jörn Lenz, Robert Rudwaleit,Eric Palmer,Manuel Benthin, Sebastian Brychcy (60. Daniel Schmele), Alexander Jakowitz, Jens Manteufel,Andreas Fricke (75. Jeff Kayser), Tomasz Suwary (87. Michl Jahn), Aleksandar Marjanovic

TSG Neustrelitz :
Norman Stollberg, Reno Zelm, Ersan Parlatan, Lars Karnatz, Ronny Scholze (60. Patrick Huse), Dirk Rochow, Robert Kristofic, Pascal Fofie, Thomas Duggert, Toni Pufahl (56. Danny Kambs), Denis Koslov (90. Toni Wenzel)

Tore:
Fehlanzeige

Schiedsrichter:
Jan Arndt (Potsdam)

Zuschauer:
1007 (im Friedrich-Ludwig-Jahn Sportpark)

Gelbe Karten:
Daniel Schmele (1), Tomasz Suwary (1), Eric Palmer (1) / Ronny Scholze , Dirk Rochow



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