Spielbericht
Ludwigsfelder FC - BFC Dynamo
16.05.2007
Geschafft!
Zum drittletzten Spieltag der Saison 2006/2007 ging es für unseren BFC nach Ludwigsfelde. Das Spiel fand leider am frühen Mittwochabend statt, wodurch etliche BFC-isten den Weg nicht zum Auswärtsspiel fanden, die Anstoßzeit (18:00 Uhr) war dann für die werktätige Bevölkerung doch ein bissel verfrüht. Schon auf dem Hinweg bemerkten wir , daß Himmel und Menschen mit ihren Automobilen unterwegs waren in Anbetracht des bevorstehenden langen Wochenendes samt Herrentag.
Die diversen Stauungen auf Berlins Magistralen wurden gerne in Kauf genommen, waren wir doch mit einer lustigen Fahrtruppe beizeiten los gefahren. Ludwigsfelde begrüßte uns dann eine gute Dreiviertelstunde vor dem Anpfiff. Die Vorzeichen des anstehenden Spieles ließen sich diesmal durchwachsen an. Hatten wir doch in allen bisherigen Begegnungen gegen den LFC nicht gewinnen können, ja wir sahen sogar regelmäßig richtig schlecht aus. Weiterhin schmerzte die Gewissheit, daß am heutigen Tage zeitlich fast parallel das Berliner Pokalfinale stattfand.
Unserem BFC sollte schon ein Remis genügen, um aller vermeintlicher Sorgen in Sachen Abstieg entledigt zu sein. Im „Stadion“ angekommen, machten wir es uns erstmal bequem. Wir versorgten uns mit den Üblichen Fressalien und Getränken, genossen das herrliche Wetter und harrten der Dinge, die da kommen mögen. Es kam zum Beispiel „Der harte Kern“ der Ludwigsfelder. Dieser bestand aus 8 Mann, bewaffnet mit einer schnieken Pauke. Sofort begannen diese Heerscharen gegnerischer Fans, Krach zu machen. Es war niedlich anzuhören, wie sie BFC-Lieder adaptierten und mit dem Namen ihres Herzensclubs versahen. Nur passte es hinten und vorne mit dem Rhythmus nicht, z.B.: „...wir singen und spielen auf jedem Fußballplatz – der Ludwigsfelder FC!“ Und daß die Herrschaften schon etwas in den Vatertag hineingefeiert hatten, merkten wir recht schnell.
Aber Hut ab, so sieht totale Hingabe aus. Dann erschien unsere Fanmutti. Mit Kanarienkäsekuchen in gelb-grün. Dann hatte der Stadionsprecher seinen Auftritt. In Tonlage, Aussprache und Sprechtempo ähnelte er einem kleinwüchsig-gnubbeligen Möchtegernkunstmaler aus Österreich. Hihi! Es folgten die Mannschaften und das Schiedsrichtergespann. Und gleich, nach dem obligaten Begrüßungswinken, der Anpfiff. In den ersten Minuten passierte eigentlich wirklich nüscht, außer daß Fanmuttis Kuchen angeschnitten wurde. Beide Teams wollten scheinbar erstmal gucken, wie der Gegner so drauf ist. Die Ludwigsfelder ihrerseits , heute in gelb-grün auflaufend, waren noch nicht ganz fertig mit der Interpretation des BFC-Spielsystems, da explodierte unser Team. Nach etwa 10 Minuten brachte Dennis Kutrieb eine herrliche Flanke in den Strafraum des LFC.
„Micha S.“ sollte der Empfänger sein, war aber im Augenblick der Ballabgabe gut von seinem Gegenspieler abgedeckt. Eine clevere und schnelle Körpertäuschung reicht aus, um am Gegner vorbeizukommen. Inzwischen hatte der Ball „Micha´S“ Kopf erreicht, von welchem aus er unhaltbar im Ludwigsfelder Tor zum 0:1 einschlug. Dies war der Weckruf. Für uns Fans nur von kurzer Dauer. Wir feierten das Tor ausreichend und besannen uns dann wieder auf die Gemütlichkeit des ländlichen Idylls. Unsere Mannschaft allerdings machte jetzt richtig Dampf, allen voran der Torschütze, Dennis Kutrieb und unser neu entdeckter Nachwuchsmann Lenzer. Letzt genannter tankte sich einige Minuten nach der Führung auf der rechten Seite bis zur Grundlinie durch, überlief (!) dabei zwei Gegner und hatte leider nicht das Auge für die Situation. Anstatt noch mal abzuspielen, legte er quer. Schön anzusehen war im Übrigen auch das Auftreten von Richard Below, der auf der rechten Abwehrseite der Ludwigsfelder regelmäßig für Unruhe sorgte.
Sehr ballgewandt, angriffslustig und bestechend durch gefährliche Eingaben, bezirzte er uns geneigte Fußi-Gucker. Bisweilen auftretende Nachlässigkeiten sollten ihm nachgesehen werden, er ist ja noch jung. Eine Bereicherung für unsere 1.Mannschaft ist er allemal! 10 Minuten nach der Führung dann völlig überraschend der Ausgleich (17. Minute). Einen schönen Schuß konnte Motche nur abklatschen, durch die folgende Unübersichtlichkeit im Strafraum war mir eine klare Einschätzung der Spielsituation nicht möglich. Auf jeden Fall tauchte ein LFC-Spieler ab und nahm den Ball in 50 cm Höhe über dem Spielfeld mip´m Kopp. Und drin war er. In der Folgezeit verlor unser BFC zunehmend die Feldhoheit.
Die Ludwigsfelder Mannen erhöhten mächtig den Druck, was zu mehr Chancen führte. Zu unserer Beruhigung hielt die Abwehr dicht und wenn dann doch mal einer durchkam, stand hinten unser sicherer Motche im Tor. So zum Beispiel wenige Minuten nach dem Ausgleich, als er mit einer herrlich anzusehenden Flugabwehr den Rückstand verhinderte. Im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit passierte nicht mehr viel. Das Spiel plätscherte so dahin, der LFC hatte leichte Feldvorteile. Wir vertilgten weiter Käsekuchen und ließen uns die Abendsonne auf die Plauzen scheinen. Kurz vor dem Pausentee gab es noch ´ne gelbe Karte für Robert Rudwaleit, was eine Sperre fürs nächste Spiel gegen Eberswalde nach sich zieht. Schade, da es doch das letzte Heimspiel der Saison ist.
In der Halbzeit wurde der restliche Fanmuttisiegesgarantiekäsekuchen unter den anwesenden verdienten BFC-ern verteilt. Auch Christian Ritter durfte schnabulieren, er war aufgrund seiner gelb-rot Sperre aus dem Schöneiche-Spiel in Zivil im Stadion. Mal im nächsten Spiel kieken, ob es was gebracht hat... Es begann die zweite Spielhälfte. Und da gleich zünftig. Scheinbar um uns Fans aus der Lethargie zu befreien, powerte unser BFC sofort los. In der 48. Minute lief Dennis Kutrieb aufs Tor zu. Leider fand sich in dieser Situation kein Anspielpartner, was Dennis aber nicht sonderlich störte. Er zog einfach ab, traf einen Gegner, der unerlaubter Weise im Weg stand und erzielte somit durch sympathische Abfälschung das 2:1. Dieser Rückstand wirkte auf die Spieler des LFC scheinbar total lähmend.
Bei denen lief gar nichts mehr zusammen. Der BFC war in den Folgeminuten drückend überlegen. Ein Angriff nach dem anderen rollte auf das Ludwigsfelder Tor zu. Es hätte im Grunde in der 70. Minute locker 5 oder 6 zu 1 stehen müssen. Auch auf den Rängen machte sich die Führung bemerkbar. Zunehmend kam soetwas wie Stimmung auf. Gemeinschaftlich wurde die Ode an den „Schal-zuppelnden Angsthasen“ intoniert, endlich mal alle zusammen, und sonstiges altbekanntes BFC-Liedgut unters Volk gebracht. Schön zu beobachten war auch der Pawlowsche Reflex bei Volkan Uluc. Es kam aus unserem Block nur: „Volkan, wink...“ und schon winkte er. Das „... einmal!“ haben wir schon nicht mehr ausrufen können. In Minute 79 hatte dann noch mal „Micha S.“ seinen Abschiedsauftritt. Alleine stürmte er aufs Tor zu und verwandelte souverän zur Freude der weinrot-weißen Fanmassen.
Übrigens erhielt „Micha S.“ im Laufe des Spieles noch ´ne gelbe Karte, ist aber unerheblich. Die letzten 10 Minuten gingen im Feiern unter. Wir hatten den Klassenerhalt sicher! So richtig konnte das Gefühl von uns noch nicht Besitz ergreifen, haben wir doch zu viele Rück- und Nackenschläge in dieser Saison erleben müssen. Der Abpfiff fand statt, außerhalb meiner Wahrnehmung. Es folgte noch ein wenig kultureller Austausch mit den ortsansässigen Fußballbesuchern. Der unvermeidliche Klasen initiierte noch eine feine, stimmgewaltige „Uffta“. Die Herrschaften mit der bereits erwähnten Pauke schlugen den Takt dazu. Eigentlich wollten sie bestimmt unsere Performance nur stören, ging aber nach hinten los. Das bemerkte „Der harte Kern“ dann auch und trollte sich.
Wir klatschten unsere Mannschaft ab, freuten uns und ab ging es nach Hause. Eine negative Begleiterscheinung kann und will ich nicht aussparen. Das Thema Versorgung des leiblichen Wohles. Kurz nach unserem Führungstreffer zum 2:1 war mal wieder das Bier und die Cola alle. Haben die in der Oberliga alle keine Ahnung, wovon der gemeine BFC-er sich beim Fußball ernährt? Ts,Ts,Ts!
Nun freuen wir uns alle diebischst auf das letzte Heimspiel der Saison am kommenden Sonntag gegen Motor Eberswalde. In der momentanen Verfassung unserer Mannschaft könnte es das Versöhnungsspiel für die Fans werden. Und ein Spiel für die Galerie. Insgeheim hoffen alle auf ein Schützenfest. Insgeheim erwarten es auch sehr viele. Und Christian Ritter ist schon mal vorsorglich gedopt!
Geschafft!
Wrw Grüße
JanuszGG