Spielbericht

BFC Dynamo - Ludwigsfelder FC

18.11.2006


Einleitend ein paar Worte:
Es gibt für Beurteilungen von scheidenden Mitarbeitern gewisse Formulierungen mit vom Wortlaut gegenteiliger Entsprechung. Eine solche beschreibt das Spiel einiger unser Spieler recht treffend: "XYZ bemühte sich stets den Anforderungen gerecht zu werden ... ". Sollten Spieler zur Winterpause den Verein verlassen wollen, dürfte diese Formulierung sie wohl begleiten.

Nun zum Spiel:
Die ersten Minuten wurde erst mal abgetastet, dann schon der erste Paukenschlag. Nach Ballverlust beim Spielaufbau gings auf einmal blitzschnell nach hinten los. Unsere Hintermannschaft stand viel zu weit weg von den Gegenspielern und schien auch geistig noch nicht auf der Höhe zu sein. Der Ludwigsfelder marschierte halblinks einfach an allen vorbei und schob den Ball an Motche vorbei in die lange Ecke (8.min, 0:1 Rauch). Eine Chance, ein Tor - effektiver gehts nicht mehr. Bei aller Liebe und Fairness, aber da muss einfach ein taktisches Foul noch vor der Strafraumgrenze her! Zu beschönigen gibs da nichts. Unsere Spieler schauten einfach nur bedeppert drein und die Fans waren schon jetzt restlos bedient. Nach diesem frühen Gegentreffer gabs halbherzig wirkende Spielaufbauversuche unserer Mannschaft.

Den Ludwigsfeldern brauchte man nach diesem frühen Gastgeschenk nun wirklich nicht vorzuwerfen dem Spiel nichts beizutragen. Mussten sie ja auch nicht, so beschränkten sie sich schon früh aufs kontrollierte Spielstören. Und das zumeist mit Erfolg. Nur in der 13. und 20. Minute gab es zwei gute Chancen für den BFC durch Tomasz, erstere nach super Einzelleistung - ers tankte sich zentral durch bekam dann aber keinen Druck mehr auf den Ball, zweitere nach der ersten guten Kombination des Spiels unserer Mannschaft, der Volleyschuss ging aber Leider genau in die Arme des Keepers. Mit etwas Glück gehen solche Dinger auch mal rein, aber genau diese fehlt aber im Moment komplett. Und so wie es immer ist, wenn man die Dinger vorn nicht reinmacht - dann macht es eben der Gegner.

Wieder ein gestörter Spielaufbau, ein langer Flankenball von ganz rechts auf ganz links, der völlig allein gelassene Ludwigsfelder mit gut fünf Metern Vorsprung, ein Lupfer über den herauseilenden Motche und schon war es erneut geschehen (30.min, 0:2 Hintze). Was fällt einem dazu noch ein? Zwei Chancen - zwei Tore. Der Ärger der Fans wandelte sich so langsam in Bitterkeit und Sarkasmus. Kurz danach eine erneute Chance für unsere Jungs, doch Jeff semmelt den Ball freistehend volley von halblinks über die Latte (33.min). Kein leichter Ball, zugegeben. Kurz drauf kommt Steinich für den angeschlagenen Marjanovic (35.min). Doch muss man leider sagen, dass dieser auch ohne diese Verletzung nur ein Schatten seine früheren selbst war. Kaum eine gelungene Aktion, kaum ein gewonnener Zweikampf.

Auch so wäre Marjanne ein Wechselkandidat gewesen. Kurz darauf wieder ein Moment des Schreckens. Nach Eckball eine Kopfballchance für die Gäste nachdem gepflegt am Ballvorbeigesprungen wurde und dem verdutzten Ludwigsfelder der Ball praktisch auf den Kopf fiel. Dies war wohl auch das Glück, denn dadurch bekam dieser den Druck nicht über den Ball und Motche konnte den Ball über die Latte lenken (37.min). Die letzte Chance hatte dann aber unsere Mannschaft. Nach Ecke von Jeff kommt wieder Tomasz völlig frei stehend zum Kopfball, nagelt den Ball aber zentral an die Latte (38.min). Das war es denn dann auch gewesen und man ging mit einem deutlichen Rückstand in die Kabine. Der Gegner erteilte unserer Mannschaft in dieser Phase eine Lehrstunde in Sachen Effizienz. Ganze drei Chancen reichten für diese 0:2 Führung. Die zweite Hälfte offenbarte zunächst leider das gleiche Bild wie schon die erste Hälfte. Unser Trainer hatte zwar in der Halbzeit auf die schwache Leistung Frickes reagiert und ihn durch Jahn ersetzt. Dies brachte gerade in der Anfangsphase aber auch kein Mehr an Spielimpulsen. Bezeichnenderweise dauerte es bis zur 66. Minute bis zur ersten zählbaren Chance unseres BFC.

Zumeist wurde sich vor dem Strafraum in der tief stehenden Defensive der Ludwigsfelder verwurstelt. Auch diese Chance ein Produkt dessen, Tomasz zog im Gewühl kurz vor der Strafraumgrenze aus Verlegenheit einfach einmal ab. Jedoch wieder zu sehr auf den Torwart gezogen. Aufgrund der fehlenden und vor allem ankommenden Zuspiele aus dem Mittelfeld waren Jeff und Tomasz ohnehin gezwungen sich viele Bälle selbst zu holen. Das machte natürlich die Wege länger und das Spiel ineffektiver. Und postwendend auch wieder der Fehler im Mittelfeld, fast auf Höhe der Mittellinie. Die lang geschlagene Flanke beschrieb einen Bogen bis kurz vor den Strafraum, Motche unterschätzte diesen dabei Ball völlig und sah sich nun einem Ludwigsfelder im direkten Zweikampf gegenüber. Dieser spielte einfach seine fussballerischen Fähigkeiten aus und war eins zwei drei vorbei (68.min, 0:3 Rauch).

Nach diesem Desaster verabschiedeten sich die ersten Fans ab ins Vereinsheim, wohl um sich das Ende des vermeintlichen Debakels nicht mehr ansehen zu müssen. Aber gottlob sollte es anders kommen. In der 75. Minute wollte der Trainer ein Zeichen setzen und brachte den völlig unerfahrenen Jugendspieler Julian Wienbreyer. Warum er dieses Exempel allerdings am Toamsz Suwary exerzierte, welcher noch zu den besseren auf dem Platz gehörte...?! Nun, auf jeden Fall schien es die Wirkung nicht verfehlt zu haben. Die Mannschaft begann sich endlich auf deutsche Tugenden zu besinnen - Kampf, Leidenschaft und auch eine Portion notwendiges Glück. Nach Ballgewinn wurde der rechts freie Jeff gesehen und präzise angespielt. Dieser konnte seinen Gegenspielern entwischen und semmelte dem Torwart den Ball in die lange Ecke (77.min 1:3 Kayser). Endlich mal wieder ein Torerfolg, auch wenn man sich bei diesem Spielstand nicht so recht darüber freuen konnte.

Aber dieser Treffer lies unsere Jungs auf eine Weise anspornen, welche man sich so von Anfang an gewünscht hätte. Der Gegner nun etwas aus dem Konzept, trotz der so kurz vor Ende immer noch beruhigenden Führung. So liess die bis zum Gegentreffer fast makelose Abwehr auf einmal Unsicherheiten erkennen. Eine flache Hereingabe wurde auf einmal fast zum Boomerang, jedoch war der Torwart gerade noch vor dem im Rückraum heranstürmenden Jeff am Ball. Ab da nun Ecken im Minutentakt, ein zu weit geschlagener Ball konnte noch einmal gesichert werden und wurde erneut hereingebracht. Der lange Jahn stieg auf und platzierte das Leder unhaltbar für den Goalie im langen Eck (83.min, 2:3 Jahn). Die Tribühne stand Kopf - nach diesen desolaten 70 Minuten zuvor hat wohl niemand mehr überhaupt an einen Treffer geglaubt. Und nun war doch noch die Überraschung möglich?! Unsere Jungs kämpften nun wie die Löwen, doch die Ludwigsfelder nun ganz geschickt im taktischen Verzögern. Mal hier eine Schauspieleinlage mit Herumwälzen. Dann dort Zeitschinden beim Abschlag.

Dann wieder ein taktisches Foul oder den Ball wegbolzen. Alles ziemlich grenzwertig und am Rande der Legalität. Der Schieri zeigte noch einmal 2 Nachspielminuten an, jedoch mehr als ein knapp verzogener Freistoss kurz vor Ulitmo kam nun nicht mehr dabei heraus. So blieb es letzlich bei der nicht unverdienten Niederlage. Zwanzig super gespielte Minuten reichen für einen Sieg nunmal einfach nicht aus, zumal dem Gegner durch freundliche Mithilfe überhaupt erst die deutliche Führung ermöglicht wurde. Solange diese Fehler nicht abgestellt werden, wird es wohl bei jedem Gegner schwer werden. Zudem scheinen einige der Spieler immer noch nicht in der Abstiegsrealität angekommen sein. Ja, ein Fricke ist eigentlich ein Strafraumspieler und zehrt eigentlich von den gelieferten Bällen, Aber in einer solchen Situation wie aktuell muss auch ein solcher Spieler erkennen, dass man sich den Erfolg erarbeiten muss. Das heisst, man kann mal einen Zweikampf verlieren, man darf dann aber nicht einfach stehen bleiben und hoffen, dass irgend ein anderer den Fehler ausbügelt.

Gerade jetzt kann sich die Mannschaft nur durch Kampf und gegenseitige Unterstützung aus diesem Sumpf herausziehen. Aus diesem Grunde hat auch der Trainer bereits angekündigt, in Zukunft Spieler gnadenlos durch hungrige Jungenspieler zu ersetzen, sollte sich der Verdacht der mangelnden Einstellung einstellen. Aus der Masse des Durchschnitts ragten sicherlich Tomasz Suwary, Jeff Kayser, sowie die linke Achse Jens Manteufel und Erik Palmer in der Defensivarbeit hervor.

Bei allen anderen hatte man nicht das Gefühl, dass sie über die gesamte Spieldauer die volle Leistung abgerufen haben. Zudem bleibt trotzdem die entscheidende Frage: Warum musste erst ein so deutlicher Rückstand für eine Reaktion seitens der Mannschaft erforderlich sein?

wrwG
GordoniX





Der statistische Teil:



BFC Dynamo:
Nico Thomaschewski, Robert Rudwaleit, Jörn Lenz, Jens Manteufel, Patrick Boese, Eric Palmer, Aleksandar Marjanovic (37. Sebastian Steinich), Manuel Benthin, Jeff Kayser, Andreas Fricke (46. Mich l Jahn), Tomasz Suwary (75. Julian Wienbreyer)

Ludwigsfelder FC:
Robert Petereit, Maik Eidtner, Matthias Klatt, Patrick Hinze, Sergej Alber, Max Gerhard (88. Lee Leeshue), Frank Ruprich, Kevin Meinhardt (81. Ringo Hebestadt), Dennis Rehausen, Christian Rauch, Martin Grötsch (60. Ricardo Franke)

Tore:
0:1 Christian Rauch (9.), 0:2 Patrick Hinze (30.), 0:3 Christian Rauch (68.), 1:3 Jeff Kayser (77.), 2:3 Michl Jahn (83.)

Zuschauer:
308 im Sportforum

Schiedsrichter:
Jens Klemm (Gröditz)

Gelbe Karten:
Patrick Boese (1), Nico Thomaschewski (2) / Kevin Meinhardt, Frank Ruprich



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