Spielbericht
BFC Dynamo - Lichterfelder FC
25. August 2006
Nach den letzten desolaten Auftritten unserer Jungs konnte es eigentlich
nur besser werden. An uns Fans hatte es mit Sicherheit nicht gelegen,
auch das Ausweichquartier war der Stimmung eher zuträglich.
Nach dem letzten Freitag waren jedoch alle pappesatt. Zudem kommt
die völlig unklare Lage im Verein, da braucht man solche Auftritte
wahrlich nicht auch noch. Wenigstens hatte die Mannschaft noch
das Rückrat bewiesen und sich den Fans gestellt. Aber ob so
die angepeilten 1000+ Zuschauer zu erreichen waren? Danach sah
es zunächst nicht aus. Nach dem obligatorischen Bier im "Empor" fanden
sich die Fans kurz vor Beginn noch eher zögerlich im Stadion
ein. Tja, diese Freitagsspiele sind für das werktätige
Volk nicht gerade optimal. Letztlich sollten es dann 674 Fans werden
- Lichterfelde ist halt nicht Külübü (huch, war
wohl ein 'ü' zuviel).Das Ziel war heute ganz klar: Einfahren
des ersten Dreiers und beenden der Negativserie.
Bei Nichtgelingen drohte der Mannschaft ganz klar Liebesentzug
seitens der Fans. Immerhin zeigte unsere Mannschaft von Beginn
Ihren Willen und Kampfbereitschaft, auch wenn die Aktionen zunächst
noch etwas fahrig wirkten. Suwary setzte nach gut fünf Minuten
und viel Geplänkel im Mittelfeld eine erste Marke per Kopf.
Kurz darauf konnte eine Ecke erkämpft werden. Micha Jahn schraubte
sich von allen am höchsten hinaus und versenkte den präzise
hereingebrachten Ballmuster- gültig (1:0, 8.min). Das wirkte
wie eine Initalzündung auf die Mannschaft und die Fans, welche
sich so langsam warm sangen. Die Mannschaft weiter am Drücker
und drängte vehement auf einen weiteren Treffer. Aber wie
schon so oft zu sehen, im Ansatz alles noch ganz gut, wurde vor
dem Tor meist zu umständlich und zu unpräzise agiert.
Manchmal hatte man das Gefühl, man wollte immer erst eine
Zeichnung machen. So blieb es nicht aus, dass die Lichterfelder
sich nach gut einer gespielten Viertelstunde mit einer Ecke und
einer Großchance zurück meldeten - Motche jedoch auf
dem Posten.
Danach offener Schlagabtausch: Unsere Mannschaft immer wieder mit
gut vorgetragenen Angriffen - vor allem Benno, Schmele und Jako
waren hier Aktivposten, jedoch sah man auch das große Schwimmen
unserer Hintermannschaft bei den Gegenangriffen. Zu weit weg vom
Gegner, zu behäbig in den Zweikämpfen, aber mit Fortune.
Dafür unsere Fans auf dem Posten und die Stimmbänder
im Dauereinsatz. Dann konnte einer unserer Angriffe zum wiederholten
Male nur per Foul gestoppt werden. Zu aller Erstaunen legte sich
heute mal Manteufel den Ball in gut 18m halb-rechter Position vorm
Tor zurecht und versenkte den Ball in bester Teletzki-Manier (2:0,
34.min). Der verdutzte Torwart reagierte nicht einmal mehr und
schaute nur erdutzt. Alle waren aus dem Häuschen, wann gab
es das denn schon einmal - zwei Tore aus Standards in einem Spiel?
Und dann noch solch geile Tore... Die restliche Zeit bis zum Pausentee
wurde erst mal verwaltet. Man hatte den Endruck, die Mannschaft
musste sich erst mal selbst reflektieren. Die Euphorie im Block
war zumindest unüberhörbar.
Aber es nahte Unheil in Form von sprichwörtlich dicken Wolken
und viel Gewitter im Gepäck. Mit der Pause ging dann auch
prompt der Weltuntergang los - es regnete Hunde, Katzen und Mistforken.
Und eine Ende nicht in Sicht - wenn das nicht nach Spielabbruch
roch! Alle darüber etwas besorgt und forderten deshalb lieber
gleich die Mannschaft zu sehen. Die gab's nicht, dafür ein "Gewinnspiel" zur Überbrückung.
Eine Freikarte für das nächste Spiel würde der bekommen,
welcher in Badehose und Badelatschen beim Stadion- sprecher Martin
Richter erscheinen würde. Promt gab es einen Gewinner zu vermelden,
welcher durchnässt aber glücklich mit Gesängen im
Block zurück gefeiert wurde. Das Gerücht, dass es sich
dabei um Forest oder Waldemar gehandelt habe, konnte aber so nicht
bestätigt werden. Der Schiedsrichter lies indes ausrichten,
dass er zwar nicht wasserscheu sei, wohl aber Angst vor Blitzen
habe.
So denn das Spiel bei Ausbleiben der Selbigen fortgesetzt würde.
Also noch ein Bier und noch eine Wurst und weiter gesungen. Bei
solchen weihevollen Gesängen konnte auch der Himmel nicht
länger warten und das Gewitter zog langsam weiter. So konnte
es nach ca. einer halben Stunde Pause endlich weitergehen. Der
Boden nun völlig durchnässt und schwer. Das sollte das
Spiel deutlich langsamer und kraftraubender machen, was uns eigentlich
entgegenkommen sollte. Und ja, die Mannschaft kontrollierte von
Beginn der zweiten Hälfte an das Geschehen. Nun auch mit Räumen
für den Spielaufbau und auch immer wieder Ballgewinne im Mittelfeld.
Leider wieder das alte Problem der Chancenverwertung. Immer wieder
zu lange gewartet, eine Haken zu viel, den freien Mann nicht gesehen
oder schlecht angespielt - es war zum Mäuse melken. Der dritte
Treffer lag förmlich in der Luft - fiel aber nicht. Dann schien
uns die Glücksgöttin endlich hold zu sein, nach dem der
Ball nach viel Gewühl und Gestocher endlich doch im Netz zappelte
(ca. 58.min).
Aber alle ahnten es schon irgendwie, der Linienrichter hatte den
Arm schon oben. Überprüfen konnte diese Entscheidung
leider keiner, da sich keine unabhängige Person auf Ballhöhe
befand. So muss man dies leider kommentarlos hinnehmen. Die Lichterfelder
fanden zu dieser Zeit eigentlich nicht richtig statt und gefielen
stattdessen durch einige sinnlose Frustfouls, welche aber meist
ungeahndet blieben. Unrühmlicher Höhepunkt war dabei
das Foul ausgerechnet des kleinsten Spielers auf dem Platz (kleiner
als die Eckfahne - isch schwöre!), welcher Schmele an der
Aussenlinie ohne Chance auch nur ansatzweise an den Ball zu kommen
brutal umlegte. Folgerichtig musste selbiger Spieler Hohn und Spott
seine Körper"grösse"
betreffend über sich ergehen lassen. Dies sollte sich leider
noch rächen. Kurz darauf dann doch die Konsequenz, als sich
der Lichterfelder FC selbst dezimierte. Ein Wiederholungstäter
wurde mit Gelb-rot zum Duschen geschickt (63.min). Überzahl
- das sollte doch heute nun endlich mal reichen. Aber das Gegenteil
war scheinbar der Fall!
Unsere Mannschaft verlor nun auf einmal völlig den Faden,
was den Lichterfeldern nicht verborgen blieb. Immer druckvoller
wurden diese, während unsere Spieler auf einmal Beine aus
Pudding zu haben schienen. Selbst die Erinnerung der Fans an die Überzahl-
situation änderte daran leider nichts. Glücklicherweise
war Motche von dieser mysteriösen Krankheit noch nicht betroffen
und war auf seinem Posten. Aber letztlich kam es wie es kommen
musste. Bei einem Angriff der Lichterfelder wurde der bereits erwähnte
Wachstumsverweigerer nicht angegriffen und dieser zog aus mittlerer
Distanz einfach trocken ab. Motche konnte dem Ball nur hinter herschauen
(2:1, 75.min). Das war wohl die gerechte Strafe für den Hohn
und Spott zuvor. Nun ging aber das Gezitter erst richtig los.
Der Ball wurde in dieser Phase eigentlich nur noch mehr oder weniger
kontrolliert aus den Gefahrenbereichen befördert. Unseren
Jungs hing der A**** sichtbar für alle auf Grundeis. Sie kämpften
zwar unübersehbar, der Spielfluss war jedoch völlig flöten.
Mit Unterstützung der Fans konnte jedoch diese dünne
Führung bis zum Schluss- pfiff gehalten werden. Endlich konnte
der erste Sieg dieser Saison eingefahren werden. Zwar wenig glanzvoll,
aber über das gesamt Spiel gesehen durchaus verdient. Warum
unsere Mannschaft jedoch ausgerechnet in Überzahl mit einer
Führung im Rücken so zu schwimmen anfing..?! Hier handelt
es sich wohl ganz eindeutig um ein Kopfproblem, welches man wohl
nicht allein durch Training beseitigen kann. Fakt ist eins. Die
Mannschaft ist sicherlich durchaus besser, als es der derzeitige
Tabellenstand offenbart. In die Tabellenspitze gehören wir
so aber mit Sicherheit (noch) nicht. Es scheint, dass die Mannschaft
im Moment einfach nicht homogen genug ist - fast alle Spieler unterliegen
starken Leistungsschwankungen.
Sicherlich spielen dabei auch die Freitagstermine eine Rolle, die
meisten unserer Spieler sind nun mal beruflich, schulisch oder
studentisch involviert. Aber das gilt ja auch für den größten
Teil unserer Gegner, so dass dies nur bedingt als Erklärung
taugen mag. Also bleibt als einziges Rezept die tatkräftige
Unterstützung durch uns Fans, sowie ein Aufruf an den Vorstand,
endlich für solide und tragfähige Vereinsstrukturen zu
sorgen. Denn es ist klar, wirtschaftliche Probleme und chaotische
Zustände sind mit Sicherheit der Leistung der Mannschaft nicht
förderlich.
wrwG
GordoniX
Der statistische Teil:
BFC Dynamo:
Nico Tomaschewski, Robert Rudwaleit, Jörn Lenz, Eric Palmer, Manuel Benthin, Daniel Schmele, Alexander Jakowitz (89. Sebastian Brychcy), Jan Lorenz, Jens Manteufel, Tomasz Suwary, Mich l Jahn (60. Jeff Kayser)
VfB Lichterfelder FC Berlin 1892:
Michael Piezka, Tim Lensinger, Carsten Gebell (55. Manuel Marschel), Ilter Senkaya, Tim Felsenberg, Christian Leitgeb, Johannes Felsenberg (68. Timo Bruckmann), Matthias Kindt, Gökhan Senol, Ilkan Senkaya, Robert Kovacic (76. Sercan Kara)
Tore:
1:0 Michl Jahn (8.), 2:0 Jens Manteufel (34.), 2:1 Gökhan Senol (75.)
Schiedsrichter:
Oliver Mattig (Frankfurt/Oder)
Zuschauer:
674 (im Friedrich-Ludwig-Jahn Sportpark)
Gelbe Karten:
Daniel Schmele (3.), Alexander Jakowitz (2.) / -
Gelb/Rote Karten:
Ilter Senkaya (66.)