Spielbericht
BFC Dynamo - Motor Eberswalde
20.05.2007
Die Vorzeichen für einen würdigen Saisonabschluss im heimischen Stadion gegen die Eberswalder Wurststädter standen denkbar gut. Eine ansehnliche Kulisse hatte sich zu bestem Sonntagsgalafussballwetter eigefunden, die Bierstände arbeiteten im Schichtbetrieb und auch die Grillabteilung leistete wieder Schwerstarbeit. Sogar eine Handvoll Gäste hatte sich eingefunden und im Pufferblock bequem gemacht. Wahrscheinlich die letzten Unerschütterlichen, die noch an die theoretische Chance der Relegation glauben.
Wegen der fünften gelben Karte von Rudwaleit musste unser "Volkanier" in der Abwehr improvisieren, seine Position nahm vertretungsweise "Jako" ein. In die Anfangsformation rückte dafür der junge Richard Below, welcher auch in den vergangenen Spielen schon einige Akzente setzen konnte. Wie aus unseren Vereinskreisen verlautete, konnte unter anderem er, neben Julien Wienbreyer und Patrick Boese, langfristig an unseren Verein gebunden werden. Sicherlich eine Investition in unsere Zukunft.
Die interessanteste Frage war jedoch, ob der gelbsperren-gefährdete Ritter randurfte oder lieber für das Babelsberg-Spiel vor seiner grossen Klappe geschont werden sollte. Aber er durfte - wohl aber nicht ohne vom Trainer eine Ansage bekommen zu haben. Jedenfalls biss er sich auffallend auf die Zunge.
Das Spiel begann den sommerlichen Temperaturen entsprechend erst mal locker. Eine ersten Akzent konnte der BFC noch in der Anfangsphase setzen, als "Porno-Schmele" nach langem Pass den Ball bedrängt von einem Eberswalder über die Latte schlenzte. Dannach zunächst erst mal allerfeinster Sommerfussball zum Entspannen. Beide Seiten tingelten in der Mittelfeldzone herum und machten keine grossen Anstalten den Blutdruck nach oben zu treiben. So machte sich denn auch auf den Rängen eine bierselige Entspannungsstimmung breit.
Aufgeschreckt, wenn man davon überhaupt reden konnte, wurden die Fans lediglich nach zwei Chancen der Wurststädter jeweils nach Standardsituationen. Doch den Freistoss, als auch die Ecke hatte "die Katze" sicher.
Dann ging es weiter mit dem lockeren Lauftraining und Ball. Dann die erste wirkliche Aufregersituation: Ritter kann nach klugem Pass in der Mitte durchbrechen und war drauf und dran dem fusslahmen Verteidiger Kalohn zu enteilen. Doch dieser versuchte in letzter Verzweiflung aus Ritters Trikot eine XXL zu machen und handelte sich dafür die rote Karte vom Schiri ein (29.min).
Das war denn auch sowas wie ein kleines Weckzeichen, auf dem Platz wie auch auf den Rängen. So manch ein Fan musste beim Aufspringen feststellen, dass er kurz davor war am Sitz festzukleben. Damit das nicht wieder passierte, machte unsere Mannschaft jetzt etwas mehr Dampf (nd wenn ich "etwas" schreibe, dann meine ich auch "etwas"). Wieder war man sich nicht sicher, ob dieser numerische Vorteil unsere Mannschaft nicht wieder in falscher Sicheheit wiegen würde. Das sah auch der "Volkanier" so, denn er tobte wie Rumpelstielzchen in der Coaching Zone herum (oder heisst es Couching Zone, der Rest lümmelte jedenfalls auffallend herum) und versuchte die Spieler zu aufzuwecken. Ihm gleich tat es Motche, als die Spieler ihm bei einem Abstoss ignorant den Rücken zuwandten. Soviel Ignoranz stank zum Himmel und so stauchte er seine Vorderleute kräftig zusammen.
Dies schien etwas zu fruchten, denn noch vor der Pause hatte es erneut Schmele auf dem Fusse (vielmehr Kopf UND Fuss), den Führungstreffer zu markieren. Jedoch brachte er das Kunststück fertig, den Torwart bereits ausgespielt, zweimal nur das Aluminium zu treffen. Nach dieser Aufregung brauchten sich die Fans auch gar nicht mehr hinzusetzen, denn kurz drauf war denn auch Pause. Zeit ein neues isotonisches Erfrischungsgetränk käuflich zu erwerben. So einige hatten sich schon eine gehörige Portion Photonenbackpfeifen abgeholt und verzogen sich krebsrot in den Schatten. Ausser dem Handel mit den Erfrischungsgetränken schien ebenfalls der Kartenvorverkauf für das Babelsberg-Spiel zu florieren, es wurden innerhalb kürzester Zeit rund 500 Karten abgesetzt.
Dann ging es wieder los und unsere Mannschaft schien deutlich motivierter aus der Kabine zu kommen. Sie setzte die Eberswalder unheimlich unter Druck und Chancen wurden nun im Minutentakt herausgespielt - aber im selben Takt durch Ritter, Schmele und Kayser leider auch vergeben. Das ging bis zur 70. Minute so weiter.
Dann gab es einen zaghaften Versuch eines Entlastungsangriffes der Eberswalder, welcher sich jedoch wie schon die anderen zuvor in der sicheren Abwehr verfingen. Bei der nun folgenden Standardsituation gab es ein grosses Getümmel im Strafraum, doch der Ball konnte geklärt werden. Doch plötzlich pfeift der Schiedsrichter und zeigt erst Plamer die sprichwörtliche rote "Arschkarte", dann einem Eberswalder gelb und es gibt Freistoss für den BFC. Über den Rängen baute sich ein grosses Fragezeichen auf, denn keiner verstand so recht, was dort gerade geschah.
Denn der Reihenfolge nach hätte es wenn schon denn Elfmeter für die "Würstchen" geben müssen. Erst später klärte sich die Situation auf: So soll es ERST ein Poul des Eberswalders an Palmer gegeben haben, worauf sich dieser mit dem Ellenbogen revanchiert haben soll. Diese Affekthandlung wurde ihm als Tätlichkeit ausgelegt und so musste er den verfrühten Weg in die Kabine antreten. Sehr ärgerlich ist dies vor allem für das letzte Spiel gegen die "Kurzfilmstädter" aus Babelsberg, denn so wird der Trainer wieder improvisieren müssen. Bei solchen Situationen zeigt sich auch immer wieder die Notwendigkeit der punktuellen Verstärkung des Teams. Denn was passiert, wenn mal wieder mehrere Spieler gleichzeitig ausfallen, sei es durch Verletzung oder Sperre?!
Nun war der numerische Vorteil zwar dahin, aber wenigstens setzte dies bei unserer Mannschaft noch einmal drei Scheiben Kräfte und eine halbe Flasche Willen frei. So spielte ab jetzt nur noch unser BFC, während bei den Gästen die Kräfte zusehens erlahmten. Insbesonders konnte man diesen Verschleiss bei den übrig gebliebenen Abwehrspielern beobachten, denn sie hatten immer mehr Mühe unsere schnellen Spitzen im Zaume zu halten. So überrannte Kayser seinen Gegenspieler an der Grundlinie förmlich und flankte scharf nach innen, wo Ritter den Ball mit dem Kopf! in die lange Ecke lenkte (1:0, 75.min). Dies war auch ausnahmsweise mal kein Abseits für den Linienrichter, welcher zuvor so einige Male grundverkehrt lag. Damit zog er sich vermehrt den Unmut von "Christiano Rittero" zu, dessen südländische Temperament im Inneren schwelte und wieder auszubrechen drohte. Dies erkannte auch der Trainer und nahm ihn in "Schutzhaft" vor sich selbst. Damit darf im letzten Spiel dann nach Herzenslust meckern. Hinein kam dafür Patrick Boese, während kurz zuvor bereits Julian Wienbreyer für Richard "Bello" Below ins Spiel kam. Man kann erkennen, dass der Trainer den jungen Wilden immer wieder Spielpraxis gibt, was sich hoffentlich in der Zukunft auszahlen wird.
Dannach war der letzte Widerstand der Gäste gebrochen und sie fügten sich in das Unvermeidliche. Es rollte nun ein BFC Angriff nach dem anderen und die Hintermannschaft der Eberswalder brach nun fast völlig auseinander. In die Trefferliste des munteren Scheibenschiessens durften sich nun nacheinander Schmele (traf ausnahmsweise mal nicht den Pfosten) nach Vorarbeit Kayser (2:0, 79.min), Kayser nach Vorarbeit Kutrieb (3:0, 83.min) und Kutrieb selbst nach Vorarbeit vom "Lenzer"! eintragen (4:0, 85.min). Dass der "Dicke" auf einmal als Vorbereiter mit vor dem Tor aufkreuzt spricht eigentlich Bände. Dabei hätte er durchaus auch die Möglichkeit gehabt, diesen Ball in Eins-zu-Eins-Situation selbst zu verwandeln - jeder im Stadion hätte es ihm gegönnt!.
Jedoch zeigte er sich ganz seiner Persönlichkeit entsprechend mannschaftsdienlich und schob den Ball doch noch rüber zu Kutrieb. Im Block wurden draufhin Forderungen laut, dass der "Dicke" erst zurücktreten darf, wenn er jeweils ein Konter- und ein Kopfballtor erzielt hat. Was dann vermutlich im Jahre 2735 wäre.
Dannach war eigentlich nur noch ein schwerer Zwischenfall zu beklagen, als Trio der Aufforderung nach "Eins, zwei, drei - Oberkörper frei" Folge leistete und dem Fanblock sein Wellfleisch zeigte. Ich war daraufhin verblitzt und bekam vom Spiel nur noch das Ende des Spiels auf akkustischem Wege mit. Glücklicherweise passierte in der Zeit, als ich mir die Tränen auswischte nichts mehr Gravierendes, so dass dieser Bericht als halbwegs vollständig betrachtet werden darf.
Insgesamt war dieser Sieg auch voll verdient, wenn auch letztlich vielleicht ein wenig zu hoch. Denn in Gefahr konnten die Gäste unsere Weinroten eigentlich zu keinem Zeitpunkt bringen. Lediglich in der Situation zur roten Karte gegen Palmer stockte den Fans kurzzeitig der Atem. Ansonsten wurden die Fans Zeugen eines entspannten und am Ende erfolgreichen Sommerkicks. So kann der BFC Dynamo ohne jeden Druck in das letzte Spiel gegen die Boykottierer gehen. Dort kann man sich grosser Unterstützung seitens der Fans sicher sein, der Kartenvorverkauf lief jedenfalls schon bombastisch an.
Bleibt mir nur noch, mich als fliegender Reporter von Euch für diese Saison zu verabschieden (vom letzten Spiel wird wieder JanuszGG berichten) und uns eine erfolgreichere nächste Saison zu wünschen.
wrwG
GordoniX