Spielbericht
FV Motor Eberswalde - BFC Dynamo
25.11.2006
Ein Tag am Rande des Speckgürtels Das letzte richtige Auswärtsspiel
des Jahres 2006 fand in Eberswalde statt. Die vergangenen Spiele
unseres BFC waren dazu angetan, uns Fußballliebhabern die Nackenhaare
zu Berge stehen zu lassen. Nach der 2:3 Niederlage im Heimspiel gegen
Ludwigsfelde, entschieden wir Fans uns, ein Zeichen zu setzen, unseren
Unmut über die Spielweise unseres BFC kundzutun. Wir riefen
deshalb dazu auf, erst in der 2. Halbzeit das Oberligapunktspiel
von Motor Eberswalde vs. BFC Dynamo zu besuchen, aber dazu später
mehr.
Wir trafen uns in aller Frühe am Bahnhof Lichtenberg. Von dort
mal eben flugs mipm Zug nach Eberswalde übergesetzt, zum Fußball
mit Kulturrahmenprogramm. Denn schon unter der Woche hatten sich
etliche BFC-er im Tierpark von Eberswalde verabredet; heißt
jetzt übrigens Zoo, nach irgendwelchen abstrusen EU-Richtlinien
muss das so sein. Punkt 11 Uhr rollte ein Pulk von geschätzten
50-80 Berlinern im Kleinod von EW ein. "Freunde", "Dynamoweiber"
samt Anhang, "GegenGradisten" und diverse andere wollten
sich den Lehrpfad über die Fauna unseres Planeten nicht entgehen
lassen. Und wie hat sich dieser Ausflug gelohnt! Ein wunderschön
gestalteter Park begrüßte uns. Unser erster Weg führte
zu den nahsten Verwandten.
Von jenen wurden wir auch umgehend mit Geschrei begrüßt.
Wir wollten gerade die Kinder um uns herum zur Räson bringen,
ob ihres provokanten Gekreisches den Affen gegenüber, als uns
gewahr wurde, daß
nicht die Kinder die Gibbons, sondern die Gibbons die Kinder anmachten.
Die Viecher waren so extrem laut, daß die Entscheidung, weiter
zu gehen nur logisch war. Nachdem übrigens der BFC-Mob geschätzte
10 Meter zwischen sich und die
Äffchen gebracht hatte, war Ruhe. Eine eventuell nahe liegende
Interpretation kneif ich mir mal bewusst... Es folgten noch diverse
Begegnungen mit lustigen Geschöpfen. Im Amphibienhaus zum Beispiel
hätten die frei laufenden und kletternden Leguane uns ohne weiteres
verspeisen könne, würden wir auf ihrem Speiseplan stehen.
Im Damwild-Freigehege lagen die Rehe einfach mittenmang der Menschen
herum, als wären sie aus Porzellan, solche Geschmacksverbrechen
aus diversen Kleinkunstläden.
Es folgte, was bei solchen Happenings immer kommt: Mittag essen!!!
Lecker, viel, bezahlbar. Frisch gestärkt machten wir uns also
auf den Weg zum Westendstadion. Unsere Stimmung war klasse, alle
noch unter dem Eindruck des Tierpark-Besuches. So stapften wir also
gen Fußball. Auf dem Weg dorthin führten wir so manch
kurzen Plausch mit den Eingeborenen, ließen diese aber auch
ratlos zurück. Auf die Frage, zum Beispiel, gegen wen heute
gespielt wird, antworteten wir, logisch wohl: Na gegen Eberswalde!?
Eine nette Dame wünschte uns sogar Glück, studierte sie
doch zu DDR-Zeiten im Sportforum. Etwa 20 Minuten vor Ende der 1.Halbzeit
kamen wir am Stadion an. Gefühlte 80 Prozent der Fans standen
da schon an Eberswaldes Magistrale und machten einen auf Zaungäste.
Auch für mich eine neue Erfahrung. So fühlt sich bestimmt
jemand, der sich nicht wirklich traut, ins Stadion rein zu gehen,
weil dort sooooo viele böse Jungs rum stehen. Nur diesmal war
es andersrum. Die bösen Jungs draußen. Drinnen im Gästeblock,
besser auf den Gästestufen, herrschte gähnende Leere. Nun
ja, fast gähnend.
Einige Ordner und 2 Unentwegte störten die idyllische Ruhe.
Was wir in den restlichen Minuten der ersten Hälfte durch die
Zaungitter zu sehen bekamen, sorgte dafür, sich auf Durchgang
2 zu freuen. Denn wir sahen eine Mannschaft, die den Abstiegskampf
zu 100 % annahm und kämpfte. Mit Mann und Maus wurde um jeden
Ball gerungen, die scheinbar letzten Reserven holten die Jungs aus
sich heraus. Individuelle Klasse war nicht zu bemerken, aber dies
wurde durch Teamgeist und mannschaftliche Geschlossenheit mehr als
wettgemacht. Wer dabei war, weiß, die letzten 4 Sätze
huldigen der Mannschaft von Motor Eberswalde... Zum Abpfiff nach
45 Minuten bewegte sich die Horde der Zaungäste gen Eingang.
Pünktlich nach der Halbzeitpause waren alle drin. Mit dem Anpfiff
keimte das junge Pflänzchen namens Stimmung auf, ging aber sofort
wieder ein. Es hatte einfach keinen Sinn, sich die Seele aus dem
Leib zu brüllen. Wir Fans hatten gehofft, durch unseren Protest
bei der Mannschaft etwas bewegt zu haben.
Weit gefehlt! Das Spiel des BFC gestaltete sich mehr als desaströs,
destruktiv und dämlich. Es herrschte kein Zusammenspiel, kein
Kampf, keine Entschlossenheit und keine Leidenschaft. Völlig
unkontrolliert flogen irgendwelche Bälle in geschätzten
30 Metern an uns vorbei, wohlgemerkt über uns. Das Abwehrverhalten
der Herren mit dem BFC-Emblem auf der Brust sah so aus: Huch, ein
Ball, in meine Richtung. Und weggehauen oder fehl gepasst. Hauptsache
nicht in meiner persönlichen Nähe. Das Mittelfeld der Herren
mit dem BFC-Emblem auf der Brust sah so aus: Huch, ein Ball, in meine
Richtung. Und weggehauen oder fehl gepasst. Hauptsache nicht in meiner
persönlichen Nähe. Der Angriff der Herren mit dem BFC-Emblem
auf der Brust sah so aus: Huch, ein Ball, in meine Richtung. Und
weggehauen oder fehl gepasst. Hauptsache nicht in meiner persönlichen
Nähe. Nur schwarz zu malen wäre jetzt nicht fair. Es gab
auch Situationen, in denen wir für Bruchteile von Sekunden Hoffnung
hatten.
Situationen, die aus Einzelaktionen entsprangen. Eben Ausnahmen.
Und diese bestätigen bekanntlich die Regel. Mehrfach kamen uns
Herren mit dem BFC-Emblem auf der Brust nahe, um Einwürfe auszuführen.
In ihren Gesichtern glaubte ich Ratlosigkeit und extrem tief sitzenden
Frust zu erkennen. Und das war bei jedem so. Und niemand, aber auch
niemand versuchte verbal, auf die so genannte Mannschaft Einfluss
zu nehmen. Der BFC wirkte führungslos. Und nun mal was fürs
Phrasenschwein: Alles Häuptlinge, keine Indianer. Häuptlinge
ohne taktisches Konzept, ohne System, frei von psychischer Härte.
Zum Ende des Spieles fiel ein Tor. Nach dem Abpfiff rannten einige
Fans aufs Spielfeld, wohl um die Mannschaft zur Rede zu stellen.
Es gab eine kleinere Schubserei mit der Polente.
Für uns war da schon der Heimweg angebrochen. Wir schlenderten
in masochistischer Gewohnheit geschlagen die bereits erwähnte
Magistrale herab, freuten uns über den vorbei tingelnden Bäcker
und über den Bahnhof. Motor Eberswalde gewann das Abstiegsduell
gegen den BFC Dynamo verdient mit 1:0. Fazit 1: Eberswalde und sein
Tierpark ist eine Reise wert. Vor allem für Familien mit Kindern
optimal. Die Tiere fühlen sich offensichtlich wohl, der Park
hat kurze Wege, etliche Streichel- und Freigehege und sehr geniale
Spielplätze. Fazit 2: Unser geliebter BFC geht am Stock. Die
Mannschaft kommt einem Torso gleich. Es stimmt überhaupt nichts.
Spielerisch kein Oberliganiveau, taktisch ein Ausfall, mannschaftlich
nicht wert so genannt zu werden, zwischenmenschlich scheinbar total
zerrüttet.
"Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat
schon verloren."
Bertolt Brecht
Wrw
JanuszGG
Der statistische Teil:
FV Motor Eberswalde:
Olaf Pospieczny, Kristian Stelse, Felix Kalohn, Torsten Maerz, Christian Schlegel, Sirko Neumann (62. Johannes Persecke), Frank Ploen (86. Marcel Hellmich), Rico Musick, Christian Rauch, Thomas Döhring, Rafet Ates
BFC Dynamo:
Nico Thomaschewski, Robert Rudwaleit, Jörn Lenz, Eric Palmer, Nico Paepke (46. Tomasz Suwary), Manuel Benthin, Patrick Boese, Jens Manteufel, Jan Lorenz (78. Sebastian Steinich), Michl Jahn (60. Andreas Fricke), Jeff Kayser Tore: 1:0 Ates (80.)
Zuschauer:
390 (darunter 250 BFCer)
Schiedsrichter: Markus Häcker (Pentz)
Gelbe Karten:
Rico Musick, Rafet Ates, Sirko Neumann / Eric Palmer (3.), Sebastian Steinich (1)