Spielbericht

SV Babelsberg   - BFC Dynamo

27.05.2007


Der totale Triumph!!!

Der letzte Spieltag der Saison 2006/2007 brachte es so mit sich, daß unser ruhmreicher und edler BFC Dynamo zu den Filmstädtern von Babelsberg 03 reisen durfte. Die Vorzeichen für dieses Spiel hätten besser nicht sein können. Zum einen hatte unser BFC mit dem Abstieg nichts mehr zu tun und Babelsberg stand als Oberligameister und damit Aufsteiger in die Regionalliga fest. Des Weiteren hatten sich geschätzte 800 BFC-er im Vorverkauf mit Karten eingedeckt, denn der Boykott der Babelszwerge vom Hinspiel war noch in unserer Erinnerung. Gleiches mit Gleichem vergelten auf so niederem Niveau? Igitt, das wäre nun wirklich einem wahren Fußballfan und Supporter seiner Herzensangelegenheit unwürdig. Uneingeschränkte und lautstarke Unterstützung, so sieht echte Fankultur aus! Dem entsprach auch die gelungene T-Shirt-Fanaktion. Vorn bedruckt mit „Watch your back! United we stand!“ samt Dynamologo und hinten „Potsdamer Fußballplatz mit 4 Buchstaben... KINO“.
SVB vs. BFC 0:1! Schon vor dem Anpfiff.

Wir trafen uns Mittags am Bahnhof Lichtenberg um via S-Bahn in die Vorstadt zu tingeln. Das Wetter schien mitzuspielen, die Temperaturen waren erträglich und unsere Vorfreude auf einem überaus hohem Level angesiedelt. Ich erstand kurz vor der Abfahrt beim Vietcong-Gemüsehändler eine Flasche Wasser mit Strontium drin. Strontium wird gemeinhin als Leuchtmittel benutzt, für Fernseher und Feuerwerk. Als ob wir in unseren elitären Erscheinungen nicht schon genug leuchten würden. So setzte sich die Bahn mit unserem verstrahlten Mob; fröhliche Sänger, Zauberwäldler, Gegengradisten und andere; in Bewegung. Ein kleines Mädchen, etwa 3 bis 4 Jahre alt, war auch zugegen. Sie war ob der Sangesfreude unsererseits sehr zurückhaltend, fast ängstlich. Was lag da näher, als ihr das Ständchen vom kleinen Teddybär aus´m Sportforum darzubringen. Die Kleine war darüber scheinbar sehr erfreut.

Und wir über uns auch. So zuckelten wir durch die Frontstadt, lachten, frotzelten und glühten uns vor. In Babelsberg erwartete uns der unvermeidliche Polizeikordon. Ohne hätten wir uns auch heftig gewundert. Der Weg zum „Karl-Liebknecht-Stadion“ verlief mit den üblichen Aufforderungen an die örtliche Bevölkerung, sich einzureihen, sehr harmonisch. Direkt vor dem Stadion dann die Leibesvisitation. In meinen Augen überaus überzogen, keine Schlüsselbänder, keine kleinen Taschenlampen, keine Rucksäcke.

Es war uns durchaus vorher bekannt, daß sehr genau nachgesehen wird, aber ein gewisses Maß an individueller Freiheit sollte einem jeden zugestanden werden. Denn angeblich leben wir in einer Demokratie. Aber was soll’s, so dolle war der Ordnungsdienst auch nicht, denn im Laufe des kommenden Spieles wurden einige Feuerwerkskörper im Stadion gesichtet. So hatten wir also die letzte Barriere zum Saisonabschluß genommen. Und wir wollten feiern. Uns, den abgewendeten Abstieg, den Volkanier als Garanten dafür und den BFC im Allgemeinen. Also nichts wie „Hopp, hopp, rin in Block!“ Dort bekam ich gleich ´ne genormte Gänsehaut. Dicht an dicht standen wir aufrechten weinrot-weißen Helden. Dann wurde unser großes „Berlins ganzer Stolz“-Blocktranspi ausgerollt. Was für ein Bild! Im Übrigen wurde nebenbei auch das Spiel angepfiffen.


In den ersten 20 Minuten fand unser BFC nicht wirklich statt. Babelsberg spielte ganz klar einen gepflegteren Ball, jedoch nur bis zum Strafraum. Unsere Mannschaft hielt hinten dicht und schien bestrebt zu sein, aus eben jener sicheren Abwehr heraus gezielte Konter zu laufen. Nur wurde dieses im Keime durch eigene Langsamkeit erstickt, die Filmstädter waren uns in Sachen Spritzigkeit offensichtlich überlegen. Währenddessen bedankte sich die kleine Schar Babelsberger Scheuklappenbetonköpfe für unsere Eintrittsgelder. Folgerichtig erhielten sie die pädagogisch wertvolle Aufforderung, sich nicht lächerlich zu machen. Dem leisteten sie dann auch zeitnah Folge. Wohl eher kaum aus Einsicht in die Notwendigkeit, mehr aus Mangel an kreativen Ideen. Aus unserem Block schallte es dann noch „Wer nicht hüpft, ist Kinogänger“ und „Ihr könnt ins Kino gehen!“ Die Cineasten hatten genug, wirkten demoralisiert und traurig aufgrund dieses über sie hereinbrechenden Gewitters an guter Laune und Sangesfreude, somit
SVB vs. BFC 0:2!

Nach einer halben Stunde des Spieles dann der erste Aufreger vor unserem Tor, die Babelsberger Riesenchance konnte Motche aber bravourös meistern. Fast im Gegenzug eröffnete sich unserem Robert „Pocke“ Pocrnic die Möglichkeit, einzulochen. Sein strammer Schuß von der Strafraumgrenze, halblinks, strich leider um Haaresbreite am 03-er Kasten vorbei. In der Folge verteilte sich das Spiel recht gleichmäßig auf beide Mannschaften, jedoch fast ausschließlich auf das Mittelfeld beschränkt. Es folgten noch eine Großchance für die Vorstädter, die zum Glück nichts einbrachte und ein feiner Soloauftritt von Dennis Kutrieb. Auch dieser war schön anzuschauen, aber ohne zählbaren Effekt. Inzwischen verfielen die Besucher auf Babelsberger Seite in einen ideologisch motivierten Propagandarausch. Bezug nehmend auf den anstehenden G8-Gipfel in Heiligendamm wurden Plakate durch dünnen Ärmchen in die Höhe gereckt. Darin ging es grob um Zellen, Revolution, § 129a und das zu verhindernde Meeting in Heiligendamm. Vikings, ein Gegengradist der ersten Stunde, brüllte im Affekt sofort: „Globalisierung, wir fordern Globalisierung!“

Wir prusteten erstmal los, um dann gemeinsam diese feine Losung unters Volk zu bringen. Im Block gegenüber wurde es umgehend verdächtig still. Die Weltverbesserer konnten mit der Situation nun überhaupt nicht umgehen, wobei sie eh mit Spaß und Kreativität auf Kriegsfuß zu stehen scheinen. Ich für meinen Teil habe wirklich noch nie so inbrünstig etwas gebrüllt, was meiner festen Überzeugung absolut entgegen steht. Ideologien, egal welcher Couleur, haben beim Fußball nun mal nüscht verloren. Wir beim BFC sind da auf einem sehr guten Weg, dies zu begreifen und umzusetzen. Beim SVB 03 scheint dies an den großen Scheuklappen zu scheitern, darum
SVB vs. BFC 0:3!

Der Pausenpfiff des Schiedsrichters ging im allgemeinen Trubel und der Heiterkeit der mindestens tausend anwesenden BFC-er unter. Unmittelbar danach wurde zum ersten feierlichen Teil des Tages übergegangen. Unser ehemaliger Spieler und Herz-BFC-er Hendryk „Henne“ Lau hatte nämlich kürzlich mit seinem Team, er agiert aktuell bei der C-Jugend des SVB 03 als Trainer, den Brandenburger Landesmeistertitel gewonnen. Nun wären wir keine aufrechten Fußballfans, würden wir unseren Henne nicht gebührend lobpreisen. Und dies geschah. Erstmal wurde sein Name skandiert, was Henne dazu zwang, die Tribüne zu verlassen und sich vor unserem Block feiern zu lassen.

Anschließend ging er zu seinem Team und nun geschah das, für´s Babelsberger Selbstverständnis, Unglaubliche! Tausend Berliner feiern eine vorstädtische Nachwuchstruppe. „Hoch soll´n se leben, drei mal hoch!“ schallte es minutenlang durch´s „KarLi“. Übrigens, der Anhang unseres Gegners saß bedröppelt und scheinbar gelangweilt in seinem Block und schien nicht zu begreifen, welches Armutszeugnis sich der Gesamtverein SVB 03 soeben ausgestellt hatte. Aber was soll´s, Henne und seine Jungs waren sichtlich gerührt und wir haben den Weltverbesserern und Verschwörungstheoretikern mal wieder gezeigt, wo der Fußballkulturhammer hängt. Ergo:
SVB vs. BFC 0:4!

Irgendwie fiel uns mit Beginn der zweiten Spielhälfte auf, daß sich das Wetter etwas verdunkelte. Die ersten Tropfen erreichten unsere Häupter. Was der Stimmung auf unseren Rängen aber keinen Abbruch tat, im Gegenteil. Im gestärkten Bewusstsein, die stimmliche und ideelle Hoheit im Stadion zu haben, ließen wir es nun so richtig krachen. Ein BFC-Evergreen jagte den nächsten, auf die kreisklassenmäßigen Provokationsversuche der Babelsberger Anhänger die beste und friedfertigste Antwort. Wir forderten noch ein paar mal eine globalisierte Weltordnung, nicht ohne uns dabei fast vor Lachen in die Hosen zu pullern. Zum Glück haben wir uns alle halbwegs im Griff. Das Spiel plätscherte so vor sich hin, unser BFC erkämpfte sich zunehmend höhere Anteile des Spieles.

Dies ungefähr nur bis zur 60. Minute. Ab diesem Zeitpunkt zog Babelsberg mehr und mehr ein sehr gefälliges Kurzpassspiel auf. Allerdings empfand ich es nicht als so zwingend, denn Angst vor einem Rückstand hatte in meinem direkten Dunstkreis keiner. Es häuften sich auf beiden Seiten die Fehler, vor allem im Mittelfeld unseres BFC ging es bisweilen drunter und drüber. Vor Wochen hätten wir noch geschimpft, wie die Rohrspatzen. Aber heute ging es darum, einen Tag zu feiern. Und wir taten es zur Genüge! Das Spiel neigte sich seinem Ende zu. Wir waren alle damit zufrieden, beim Oberligameister ein remis zu holen. Vor allem, nachdem in der 82. Minute unser Dennis Kutrieb die Ampelkarte bekam. Übrigens zu Recht nach meiner Auffassung. Für das eigentliche Foul, was die Herausstellung nach sich zog, hätte es keine Verwarnung geben müssen. Kurz zuvor jedoch wurde Dennis direkt vor unserem Block gefoult und gab dem Gegenspieler gleich noch einen mit. Das anschließende Gespräch zwischen Schiri und Dennis ließ schon da nichts Gutes erahnen.

Nun ja, beim Spiel gegen Eberswalde vor Wochenfrist schossen unsere Mannen alle 4 Tore mit nur 9 Feldspielern... So schlich sich die Zeit dahin bis zur 88. Minute. Für die geneigten Babelsberger Sektierer unter den Lesenden dieses Berichtes: War alles von langer Hand geplant! Diese Spielminute ist das fehlende Teilchen.
Irgendwie flog der Ball vor dem 03-er Strafraum umher, um sich liebevoll auf den rechten Schlappen von Jörn Lenz zu legen. Unser Lenzer, sich der Tatsache bewusst, kein Filigranfußballer zu sein, zog einfach mal ab. Er stand etwa 20 Meter vor dem Tor, genau in unserer Sichtlinie. Der Ball verließ Lenzers Fuß, flog genau in unsere Richtung, ditschte kurz auf und kuschelte sich unhaltbar ins linke untere Eck.

TOOOR!

Es brachen alle Dämme! Besser konnte die Regie nicht für uns laufen. Und dann noch der Torschütze!!! Jörn Lenz, Lenzer, der Dicke. Er überlegt, vielleicht die Töppen an den Nagel zu hängen. Unsterblich ist er beim BFC schon jetzt, seit diesem Tor bewegt er sich auf dem Terrain einer Legende. Faktisch in der letzten Spielminute der Saison das Siegestor gegen den souveränen Meister der Liga zu schießen, was kann es Schöneres geben!? Und gibt es eine bessere Motivation für noch ein Jahr großartigen Fußball bei seinem Herzensclub? Noch während des apokalyptisch anmutenden Jubels ertönte der Schlusspfiff. Einer Erlösung gleich feierten wir unser Team und unseren Trainer Volkan Uluc. Die Spieler des SVB 03 trollten sich wie begossene Pudel in den Kabinentrakt. Wir feierten, feierten und feierten. Nach dieser Saison hatten wir uns das auch mehr als verdient. Im Block der Gastgeber blieb es ruhig. Es wirkte, wie eine Horde traumatisierter Schafe. Wenn diese Tiere nämlich ganz, ganz doll erschreckt werden, rennen sie nicht weg. Nee, die bleiben stehen und glotzen debil vor sich hin. So geschehen im „Karl-Liebknecht-Stadion“, soll heißen:
SVB vs. BFC 0:5!

Nach dem Abklatschen der Mannschaft und den diversen Lobpreisungen zogen wir gemeinsam zum Bahnhof. Es war eine herrliche Atmosphäre. So wurden diverse Eingeborene in jegliche Frotzeleien mit einbezogen, und diese ließen es sich gefallen und machten sogar mit. Tja, gute Laune ist eben ansteckend. Am Bahnhof das, leider, übliche Procedere. Geschätzte 40 Minuten stand der Zug. Es gab wohl einige, kleinere Scharmützel der Herren mit den grünen Leibchen. Warum kann man denn heutzutage Fußballfans nicht einfach eine S-Bahn besteigen lassen? Wir machten es uns trotzdem gemütlich, unterhielten uns mit Touristen aus Dessau und machten für diese die Animation. Sie werden lustig was zu erzählen haben.

Die Rückfahrt war kurzweilig. Dieser Tag entschädigte für sehr viel Leid in dieser abgelaufenen Saison. Wir verließen als doppelter Sieger und im Gefühl des totalen Triumphes die Berliner Vorstadt. Sportlich schickten wir den Aufsteiger mit einer gerechten und von tiefer Genugtuung geschwängerten 1:0 Heimniederlage in die Regionalliga. Moralisch und fankulturell war es ein Schützenfest für den BFC und ein Desasterdebakeluntergangschaos für den SV Babelsberg vor 3282 Zuschauern:
0:5 Heimklatsche, die eigentlich viel zu niedrig ausfiel.

Übrigens gab es natürlich auch wieder Fanmuttis Käsekuchen, geholfen hat es immer. Es war aber der letzte seiner Art, Glücksbringer soll und darf man nicht überstrapazieren. Trotzdem wird diese Rückrunde ewig mit dem leckeren Backwerk und der dazugehörigen Erschafferin verbunden bleiben.
Bleibt mir nur noch, Euch allen einen herrlichen Sommer zu wünschen! Freuen wir uns gemeinsam über diesen dramatischen und letztlich versöhnlichen Saisonverlauf, freuen wir uns alle auf eine erfolgreiche Spielzeit 2007/2008 und freuen wir uns alle darauf, uns zum ersten Heimspiel im heimischen Sportforum im beschaulichen Berlin Hohenschönhausen wieder zu sehen. Mir ist schon jetzt ganz schlecht, wenn ich an die Länge der Sommerpause denke...

BFC DYNAMO – Fußballkultur PUR!

Mit weinrot-weißen Grüßen

JanuszGG