Pokal-Spielbericht

SV Empor Berlin - BFC Dynamo

13.12.2006


Heute nun das letzte Pflichtspiel vor der Winterpause. Es ging um nichts Geringeres als den Einzug in das Viertelfinale des BFV-Pokals. Ein Schritt näher dem Traumfinale gegen die Waldmenschen. Vielleicht einer der Gründe, dass sich noch einmal fast 500 Seelen im Cantianstadion einfanden - anders als sonst "auswärts" gastierend gegen die "Empor"-Kömmlinge des SV. Die BFCer machten es sich also auf der Ersatz-"Trehbühne" gemütlich und waren optimistisch gestimmt. Dies hatte zunächst auch seine Berechtigung, bestimmte doch von Beginn an der Ruhmreiche das Geschehen. Sofort resultierten aus dieser Feldüber- legenheit ein paar Chancen - zumeist in Form von Kopfbällen. Alle Chancen wurden der alten Tradition folgend jedoch vergeben. Die Gastgeber des SV Empor fügten sich wie selbstverständlich in die Aussenseiter-Rolle und beschränkten sich tief stehend auf das Abwehren der Angriffsversuche der Weinroten.

Dies machten sie auch gar nicht mal so schlecht, zumindest konnten sich die Weinroten ab circa eine viertel Stunde gespielter Zeit kaum noch nennenswerte Chancen erspielen. Dies lag zumeist an der fehlenden Durchschlagskraft, sprich: Es konnte einfach nicht der erforderliche Druck für klare Chancen aufgebaut werden. So blieb der BFC zwar weiter optisch überlegen, jedoch war spätestens ab dem 16er Schluss mit lustig. Als Liveticker JanuszGG vor Langeweile schon fast mit dem Kopf auf die Tastatur schlug, kam der BFC doch noch zu seinen Chancen. Kurz vor der Pause drischt erst Tomasz den Ball nach Flanke Schmele über das Aluminum, dann trifft Benthin aus kürzester Distanz nur den Pfosten - von da den Torwart - von diesem ins Aus. Eine Hundertprozentige! Chancentod Benno bezeichnete im Nachhinein seine Szene immerhin selbstkritisch als "unglück- lich". Der Junge sollte in die Politik gehen! Dafür dürfte JanuszGG vor seinem Rechner aus seinem komatösen Dämmerzustand ins Diesseits zurückgeholt worden sein. Also Wurstfassen, Wasserlassen, Aufpassen.

Doch zu sehen bekam der geneigte Fan zunächst nur wieder biedere Hausmannskost. Entweder hatte man jeglichen Einfallsreichtum in der Kabine vergessen oder die Schlüpfer waren zu eng. Jedenfalls sah das alles mehr nach gequältem Rasenschach aus, als nach einem brisanten Pokalfight. Es waberte so dahin und JanuszGG war wohl bereits wieder in den Grenz- regionen des Pferdekopfnebels unterwegs. Dazu wurden die Gastgeber auch noch immer frecher. Trauten sich die Blauen doch tatsächlich gelegentlich vors weinrote Tor! Dann wurde es aber auch manchmal hektisch. Nach immerhin zwanzig! Minuten der zweiten Hälfte endlich mal wieder sowas wie Gefahr durch unsere Jungs - dem Spiel entsprechend durch eine Standard-Situation. Den Kopfball setzte Tomasz nach Freistoss von Pocke jedoch wieder über das Tor. Nach 71 Minuten hatte dann wohl auch der Trainer die Schnauze voll (Warum hat das so lange gedauert?!) und brachte Jugendspieler Julian Wienbreyer für Jan Lorenz.

Jaja, das liebe Mittelfeld. Der grösste Klops sollte aber noch folgen, als bei einem der seltenen Angriffe der Gastgeber einer der Blauen volles Programm umgesenst wurde (besser keine Namen!). Der allgemeinen Fanmeinung zu Folge extrem strafstossverdächtig, doch glücklicherweise war der Referee Inhaber des Adolf-Prokopp-Gedächtnispreises und detektierte den Tatort kurz vor dem 16er. Der Freistoss machte dann jedoch Stress vermeidend einen grossen Bogen über Mauer und Kasten. Kurz drauf der nächste Bock unserer Hintermannschaft, als es nach groben Missverständnis zwischen Abwehr und Torwart (unerlaubter Rückpass) einen indirekten Freistoss in ca. drei Meter Entfernung neben dem linken Torpfosten gab. In solchen Situationen macht sich immer die fehlende Spielpraxis vom "Brenner" bemerkbar, ansonsten war er aber fehlerfrei. Auch dieser Lapsus blieb glücklicherweise folgenlos. Dann sollte der junge Kullik auch auf der anderen Mittelfeld-Seite wieder für etwas Belebung sorgen, Schmele ging dafür raus (76.min).

So langsam wurde anscheinend auch den Spielern die unbefriedigende Situation bewusst - eine Verlängerung mitten in der Woche wollte dann wohl doch keiner. In jedem Falle wuchsen nun endlich wieder mal seit langem die Angriffsaktivitäten, so dass mal wieder ein paar Chancen zu beklatschen waren. So sprang endlich auch der Funke auf die "Trehbühne" über, es kam nun Pokalathmosphäre auf. Und als so langsam schon keiner mehr an einen Sieg in regulärer Spielzeit glauben mochte, geschah es dann endlich doch noch. Nach Angriff über die rechte Seite wurde der Ball lang vor den kurzen Pfosten geflankt, Jakowitz verlängerte mit dem Kopf und der Ball senkte sich in die lange Ecke (0:1, 85.min). Der Junge flippte völlig aus, nach Sperre und langer Torflaute endlich mal wieder ein Erfolgserlebnis. Naja, wenn'schon mit dem Spielen nicht so richtig klappen will, dann wohl wenigstens mit dem Feiern. Empor ergab sich danach pflichtbewusst in die Rolle des Unterlegenen, so dass danach nicht wirklich mehr viel geschah. Einzig ein Lattentreffer untermauerte nochmals den knappen Sieg, zuvor war noch Steinich für Tomasz als taktische Massnahme gekommen (87.min). So blieb es beim erkrampften Arbeitssieg und alles war heilfroh so ungerupft in die Winterpause gekommen zu sein. Nüchtern betrachtet war das jedoch alles in allen wieder mal nichts.

Von einem Zwei- Klassenunterschied konnte man nur zu Beginn und zum Ende etwas erkennen - dazwischen wurde zumeist Erbärmliches geboten. Es ist schon erschreckend, wie ideen- und harmlos unsere Mannschaft auch gegenüber einem 6't-Ligisten auftritt. Man kann nur hoffen, dass die Zeit im Winter für ausgiebig genutzt wird - für neue Spieler, aber auch für intensives Mann- schaftstraining. Mir will nach wie vor nicht in den Kopf, wieso Leistungsträger der letzten Saison so dermassen neben sich stehen können. Als hätte Dr. Evil ihnen persönlich das Fussball-Mojo geklaut. Es bleibt zu hoffen, dass diese Kandidaten im neuen Jahr endlich wieder zu alter Stärke finden, schliesslich kann man ja nicht die ganze Mannschaft mal eben ersetzen.

wrwG
GordoniX





Der statistische Teil:



SV Empor Berlin:
Mattias Breitfeld, Rene Kairies, Patrick Brehm (88. Maik Thiel), Eric Stritter, Janek Eichmann (57. Elvis Jelmazi), Dominique Damis, Thomas Breitfeld, Jan Knospe (88. Oliver Gaschekowski), Johannes Lindner, Dennis Wienke - Robert Gärtner

BFC Dynamo:
Dirk Brändike, Jörn Lenz, Robert Rudwalet, Jens Manteufel, Alexander Jakowitz, Manuel Benthin, Robert Pocrnic, Daniel Schmele (76. Oliver Kullik), Jan Lorenz (71. Julian Wienbreyer), Tomasz Suwary (87. Sebastian Steinich), Jeff Kayser

Tore:
0:1 Alexander Jakowitz (85.)

Schiedsrichter:
Paul Müller (Weißenseer FC)

Zuschauer:
487

Gelbe Karten:
Dennis Wienke, Eric Stritter / Jeff Kayser