Interview ...

... Raiko Fijalek

27.09.2006

 

BFC Online führte mit Raiko Fijalek ein Gespräch über seinen Rücktritt,
seine Enttäuschungen und
seine Zukunftspläne.

BFC Online:

Raiko, du hast den BFC Dynamo verlassen, für viele Fans überraschend. Was waren deine Beweggründe?


Raiko:
Man verlässt solch einen Verein sicherlich nicht gerne, ich hatte ein super Funktionsteam um michherum, ob das Jan Voss war oder Andreas Unterschütz, Bodo und Dr. Roth. Wir hatten die besten Bedingungen mit den Rasenplätzen, einem Trainerzimmer, eine eigene Kabine und duften Fans. Das verlässt man nur, wenn man tief enttäuscht ist, wenn man keine Kraft mehr hat und nicht mehrin den Spiegel sehen kann. Der Schritt ist mir sehr schwer gefallen und ich sehe noch heute auf die Uhr, wann man sich trifft, wann das Spiel beginnt und wann es aus ist. Ich bin zwar weg, doch nah dran!

Ich war drei Jahre beim BFC Dynamo, ich sage Danke, dass man mir diese Chance gegeben hat. Es waren drei wunderschöne Jahre, die ich nicht missen möchte. Eine solche Erfahrung zu machenist schon wunderbar. Aber mit dem bekannt werden der erneut aufgelaufenen Verbindlichkeiten, wieder die Erfahrung zu machen, das im Verein nicht ehrlich miteinander umgegangen wird, hat das Fass zum überlaufen gebracht. Es gab zu viele Rückschläge, das Maß war einfach voll. Ob es die jetzige Situation ist oder vor über einem Jahr, als nach außen propagiert wurde, das esvielleicht nach oben gehen könnte, doch dann von heute auf morgen bekannt wurde, dass man dann doch auf die Beantragung verzichtet.

Ich meine, dann soll man das doch gleich so sagen und keine falschen Hoffnungen wecken. Auch das hat etwas mit Ehrlickeit zu tun,die ich in der Vergangenheit beim BFC vermisste.Um weiter mit der Mannschaft arbeiten zu können, benötigt man ein gutes Gefühl - und genau dieses Gefühl war nicht mehr da. Ich muss in den Spiegel sehen können, ich muss vor dem Team stehen können, doch das ging nicht mehr. Das schlimme daran ist auch, das es viele hausgemachte Sachen sind, die nicht funktionieren, auch weil es verschiedene Lager im Verein und Umfeld gibt. Wenn sich das nicht ändert, wird es nicht besser. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, das der BFC Dynamo ein Riesen Potential hat, um dieses aber auszuschöpfen, muss sich nicht wenig verändern.

Klar ist es immer eine Frage des Geldes, doch man hatte 15 Jahre lang Zeit zu lernen, wie man damit umgeht. Dies wurde beim BFC in all den Jahren versäumt. Wäre man von Anfang anbescheiden und ehrlich damit umgegangen, stände es jetzt sicher anders um den Verein. Die Voraussetzungen waren da, doch diese wurden nicht genutzt, sonst wäre nicht schon wieder solch ein großes finanzielles Loch entstanden. Die Spieler haben immer viel getan und mussten immer wieder Rückschläge einstecken, doch der Verein hat es nicht gelernt bescheidenzu bleiben, sondern es gab immer wieder den einen oder anderen großen Ton. Letztendlich hatte ich keine Kraft, diesen weiteren Rückschlag wegzustecken. Wenn wir so Fußball spielen würden, wie im Verein gearbeitet wurde, dann würden wir nicht in die Oberliga gehören. Ich hatte oftmals das Gefühl, dass es nicht immer um den Sport geht.


BFC Online:
Peter Meyer von der Firma Infinity versucht nun schon seit einigen Wochen den Verein zu sanieren und nach vorn zu bringen. Wie siehst du das?


Raiko:
Ich habe mit Peter Meyer viele lange Gespräche geführt. Wir haben offen und ehrlich über allesgesprochen. Ich finde den Weg, den Peter Meyer jetzt geht, bzw. gehen muss, richtig. Er war mir gegenüber ehrlich und es tut mir sehr leid, dass ich ihn jetzt nicht unterstützen kann, an ihm lag es nicht, dass ich diesen Schritt machte. Für mich kam Peter Meyer einfach zu spät.

Wäre ich nicht ausgebrannt, würde ich seinen Weg sicherlich unterstützen. Man kann nur hoffen, das sein eingeschlagener Kurs Erfolg hat und er so viel Unterstützung bekommt, wie erbenötigt. Ich hoffe sehr, dass endlich ehrlich miteinander umgegangen wird, das man im Verein bescheiden haushaltet und darauf aufbaut. Ich hoffe für alle Fans, das diesbezüglich auch mal Kontinuität beim BFC einzieht. Doch wenn ich lese oder höre, das man Peter Meyer schon wieder irgendwelche Hürden stellt, bzw. öffentlich an den Pranger stellt, dann sehe ich schwarz.

BFC Online:
Raiko, wie sieht jetzt dein Tag ohne BFC aus?


Raiko:
Naja, ich mache jetzt mein Staatsexamen, kümmere mich um meine Familie, mache in Kürze meinen A-Schein und genieße die Fußballpause. Im kommenden halben Jahr werde ich keine Trainerposition annehmen,jedoch schließe ich dies für danach nicht aus. Dem BFC Dynamo wünsche ich alles Gute und ich binfest davon überzeugt, das der Verein es schaffen kann, doch dann müssen sich alle Seiten zusammenreißen. Einem Peter Meyer wünsche ich nochmals viel Erfolg und das er genug Mitstreiter findet, die den aktuellen Kurs mitgehen. Ich ziehe den Hut vor dem Team, welches sich ja zusammenreißt und dem Verein die Treue hält. Es ist einfach eine dufte Truppe, welche sicherlich ihren Weg gehen wird. ImGedanken bin ich bei ihnen und auch bei den Fans, die ich hiermit herzlich grüße!  

Euer Raiko.