Interview mit Rainer Lüdtke
19. Mai 2008
"Und es war dennoch ein positives Jahr "
In der vergangenen Woche stand ich der Umschau Rede und Antwort.
Frage:
Der BFC Dynamo steht auf dem 6. Platz. Entspricht das Ihren Vorstellungen?
RL:
Schwer zu sagen, ein wenig enttäuscht bin ich schon. Irgendwie hatte ich gehofft, dass wir den direkten Aufstieg schaffen können. Alle Voraussetzungen waren gegeben. Auch wenn ich einer der Pessimisten in den Reihen der BFCer bin, so hoffe ich natürlich noch ein wenig. Rechnerisch ist alles noch möglich.
Frage:
Also doch schon irgendwie mehr enttäuscht?
RL:
Da muss ich bei der Beantwortung weiter ausholen. Klar ist man als Fan in einer solchen Situation enttäuscht, doch möchte ich daran erinnern, dass wir in der letzten Saison nahezu mit dem gleichen Kader gegen den Abstieg spielten und erst an den letzten Spieltagen wurde ja der Abstieg verhindert. Diese Saison spielen wir an der Spitze mit und haben vier Spieltage vor Ende der Saison noch eine kleine Chance aufzusteigen. Ich sehe dies doch eher als positiv an. Enttäuscht bin ich von einigen Spielern, da hatte ich schon mehr Engagement erwartet. Ich habe mich auch vom 3. Tabellenrang nach der Hinrunde blenden lassen, dieser Platz spiegelte dann wohl doch nicht das Vermögen der Mannschaft wieder.
Frage:
Wenn der Aufstieg nicht klappt, wo sehen Sie die Ursachen des Scheiterns?
RL:
Da kommen wohl mehrere Faktoren zum tragen. Ein wichtiger ist wohl, dass durch den frühen Ausfall von Jörn Lenz eine Art Leitfigur fehlte, der auch mal ein Spiel an sich reißen kann. Auf dem Feld war es oftmals viel zu ruhig. Keiner wollte dem anderen weh tun. Auch der Ausfall von Manuel Benthin war uns da sehr hinderlich. Leider hat Dennis Kutrieb diese Rolle nie so richtig ausfüllen können. Ich glaube auch, dass einige Spieler mit dem Druck, aufsteigen zu können, nicht klar kamen, da sie noch nie in solch einer Situation waren. Ich bin kein Trainer und möchte mich da auch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber die vielen Verpflichtungen und Trennungen bringen sicher auch immer wieder Unruhe in so ein Verein, wie es der BFC Dynamo ist.
Frage:
Der BFC Dynamo erhielt die Lizenz, haben Sie damit gerechnet?
RL:
Sehr gute Frage, sagen wir es einmal so, ich habe den Leuten an der Vereinsspitze vertraut, dass sie dies packen können, doch hatte ich meine Zweifel nach den Erfahrungen der letzten Jahre. Nach wie vor ist die Wahrnehmung des BFC in der Öffentlichkeit noch nicht so, wie ich es mir vorstelle. Insofern kam die Meldung, dass der Verein die Lizenz hat für mich zwar nicht überraschend, jedoch mit Genugtuung. Mir persönlich hat diese Sache sehr viel gegeben und gezeigt, dass man auch beim BFC Dynamo voran kommen kann, wenn auch langsam. Und ich bin mir sicher, die Richtung stimmt und wenn der BFC auf diesem Weg bleibt, wird er wieder erfolgreich sein. Es muss dazu nur konsequent an den Baustellen gearbeitet werden, welche es nach wie vor im Verein gibt.
Frage:
Was glauben Sie ist jetzt anders, als noch vor einigen Monaten und somit der Grundstein, dass der Verein die Lizenz erhalten hat?
RL:
Oh sehr vieles. Es werden keine Luftschlösser mehr gebaut, keine Versprechungen gemacht, die nicht gehalten werden können. Alles das, was auf der letzten Mitgliederversammlung gesagt wurde, ist so eingetroffen. Die Verantwortlichen sagten immer wieder, man solle sie an ihren Taten messen. Ich glaube das kann man getrost machen, sie schneiden gut ab. Es wird sehr viel transparenter gearbeitet, wir Fans werden befragt, unsere Meinung ist den Verantwortlichen wichtig. Durch die Aussage des Wirtschaftsprüfers und des DFB, dass dem Verein die Wirtschaftlichkeit bestätigt wird, können wohl alle sehr zufrieden sein und es zeigt doch, dass man auch hier wirtschaftlich arbeiten und getrost voran kommen kann. Ich habe noch nie so ein ruhiges Jahr beim BFC Dynamo erlebt. Was mir besonders gefällt, Probleme werden meist sehr intern geklärt und nicht in der Öffentlichkeit. Ich sage es einmal ganz klar: auch wenn wir die Regionalliga nicht schaffen werden, dann hat der BFC Dynamo in diesem Jahr dennoch gewonnen! Wir haben eine sauber arbeitende Vereinsspitze, wirtschaftlich sind wir im grünen Bereich und unsere Fans gaben keinen Anlass, Negatives zu berichten. Wann konnte man dies schon vom BFC Dynamo behaupten? Auch wenn bei der täglichen Arbeit in einem Verein fehler begangen werden, so ist das legitim, wichtig ist dabei, man lernt aus diesen Fehlern.
Frage:
Es wurde versprochen, dass die Schulden abgebaut werden, ist dies geschehen?
RL:
Da bin ich natürlich der falsche Ansprechpartner. Auf der letzten Infoveranstaltung wurde gesagt, dass dies nicht passiert ist. Aber auch begründet. Es wurden keine neuen Schulden gemacht, der Etat war korrekt und auch das sehe ich als sehr positiv an. Jeder Cent wurde natürlich in dem Unterfangen “Regionalliga” gesteckt. Das hatte oberste Priorität. Und dann kamen ja noch zwei Dinge hinzu, mit denen einfach keiner rechnen konnte. Den BFC erreichte eine Steuernachzahlung, da in den Jahren 2003 - 2006 keine Steuern abgeführt wurden. Die Summe von fast 30000 Euro wurde natürlich sofort nachgezahlt. Und dann noch die Abwicklung der Wirtschafts GmbH, auch dies kostet Geld, jedoch hat der Verein es geschafft, dass dies Vergangenheit ist. Dazu kommt noch das Aufarbeiten der letzten Jahre. Es gab keine korrekten Jahresabschlüsse bzw. Bilanzen. Alles das sind aber Bedingungen, um eine Lizenz zu erhalten. Der BFC Dynamo kann nun aber sagen, die Spitze des Eisberges wurde erreicht, der Verein ist sauber und kann positiv in die Zukunft blicken. Das ist mir vielleicht noch wichtiger, als ein Aufstieg, auch wenn dadurch die Schulden nicht abgebaut werden konnten.
Frage:
Es bleibt aber das Problem “Logo”?
RL:
Da haben Sie jetzt aber den wunden Punkt getroffen. Aber auch hier gibt es klare Aussagen der Verantwortlichen. Jeder wird nachvollziehen können, dass der BFC Dynamo eigene Vermarktungsrechte benötigt. Dazu benötigt der Verein (s)ein Logo. Viele Chancen wurden in der Vergangenheit da verpasst. Am liebsten wäre mir natürlich, dass der BFC und die Logoinhaber eine Einigung erzielen. Wenn es jedoch keine Einigung gibt, muss der Verein an ein Arbeitslogo denken und wird dies sicherlich mit den Fans besprechen. Mir würde dies weh tun, denn über 30 Jahre begleitet mich das jetzige Logo. Ich hoffe deshalb natürlich, dass dieses Logo auch in Zukunft DAS Logo ist. Jedoch würde ich mich einem Arbeitslogo nicht versperren, da dies bei keiner Einigung für den Verein enorm notwendig ist.auf mich zu kam."Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg."